Paris Style Report Teil 2

BEIGE – WARUM IST SIE DIE EWIGE FARBE DER GENERATION 50+?
Beige Michi Bürger  -

Beige ist nur eine der vielfältigen Farbnuancen von Erdfarben, wie auch Creme, Elfenbein, Ecru, Semmelbraun oder Sandfarben. Alle haben eines gemeinsam: sie fallen in die Naturfarben (die Sammelbezeichnung für sehr helle Brauntöne, also etwa Graubraun, Braungrüngrau und ähnliches) und besonders nach einem all zu langen Winter eine nicht besonders sinnliche Farbwahl, um sich kleidungsgemäß in Frühlingsstimmung zu bringen.

Ich beobachte seit meiner Kindheit, und dass sind mittlerweile auch schon ein paar Jährchen, dass Menschen, egal ob Männer oder Frauen, sobald sie über fünfzig sind, mit Vorliebe beige Kleidung tragen und ich frage mich bis heute warum? Es ist wie ein Fluch, als ob man mit dem Übergang in die Pension einen geheimen Vertrag unterzeichnen würde in dem ein bestimmter Farbcode für die Generation 50+ festgeschrieben steht. Setzen Sie sich in ein Straßencafé und beobachten Sie die Passanten: Sie werden mir bestimmt Recht geben!- Wie sagt man so schön in Frankreich: Ça saute aux yeux! – Das springt einen in die Augen!

Beige, bezeichnet unbestimmt warme, weißliche Brauntöne, und hat sich im 19. Jahrhundert als Synonym für  Naturfarben durchgesetzt. Die ebenfalls aus dem Französischen stammende Farbbezeichnung Ecru, stammt ursprünglich von der unbehandelten Rohseide und steht heute für unbestimmte, unbehandelte Farben.

Ist es die Ruhe, die Unbestimmtheit die diese Farbwahl mit sich trägt, der Wunsch nach diskret-sein-wollen, des ja nicht unangenehmen  Auffallens oder ist es einfach eine gewisse Stil-Bequemlichkeit, da Beige nahezu mit allen anderen Farben durchgeht. Fast wie eine Tarnfarbe, wie die graue/beige Maus, für Political Correctness.

Nicht zu leugnen ist jedoch, dass Beige ein nicht wegzudenkender Klassiker ist, wie etwa der Trenchcoat von Burberry’s immer während  tot-schick aussieht, und das seit Jahrzehnten. Am schicksten mit rotem Lippenstift und einem Burberrykaro-Schlapphut. Hingegen ein beiger Wollpullover ohne jegliches farbiges Make-up oder farbigen Accessoires nahezu zu keinem Teint passt, und jeden zu Frühlingsbeginn leicht kränklich oder zumindest sehr müde aussehen lässt.

Ein paar klasse Beige-Kombinationen neben dem Trenchcoat:

•Naturfarbene Mode auf Sonnen gebräunter Haut, mit einem Touch von Orangerot (Lippen par exemple)

•Beige-Schwarz: beiger, klassisch geschnittener Blazer mit schwarzem Oberteil und schwarzer Hose, im Herrenschnitt getragen mit großzügigen, modernen Goldschmuck.
Auf Kontrast gehend, doch weniger hart als die Weiß-Schwarz Kombination

•In fließenden Sommerkleidern in Kombination mit anderen Pastelltönen, wie Puder, Graublau, etc.

•Edel: Beige Spitze, toll eingesetzt von Prada in der letzten Wintersaison!

• Champagnerfarbener Satin ist nicht nur bei Nacht- und Unterwäsche ein Klassiker, wunderschön auch bei Seidenblusen.

•Eine beige-braun Kombination, die in aller Welt Furore gemacht hat: die Louis Vuitton Tasche.
Dieser französiche Standard-Luxusarktikel ist ein Botschafter geworden, Zeichen eines Wohlstandes, das zeigt, dass mein Kontostand es sich leisten kann (was in den meisten Fällen ja nicht zu trifft) und wird mittlerweile in aller Welt von jedem, ob jung und alt getragen. Ein Kassenschlager für den Konzern. Braunes Leder mit beigem LV-Muster; einziger Farbtupfer, die rote Versiegelung der Kanten an den Trägern, und das goldene Schloss. Doch ich persönlich mag die farbigen Varianten viel lieber, vor allem findet man sie weniger oft in Urlaubsorten als billige Fälschung.

Generell ist zu gedeckteren Farben nichts zu sagen, vor allem beim Make-up. Hand in Hand mit diesen Farben geht Natürlichkeit. Augen lassen sich dezent ins rechte Licht rücken, der Teint wird leicht erfrischt. Nur bei den Lippen sollte man doch mindestens zu frischeren Tönen greifen! Wenn sie gerne beigefarbene Kleidung tragen, achten Sie zumindest darauf, ein flotten aktuellen Haarschnitt zu tragen, auf keinen Fall Dauerwelle im Kurzhaar-Schnitt! Ihr Haupt gibt sicher mehr her!

Wenn sie sich jedoch nicht über Erdtöne zu etwas kräftigeren Farben hintrauen, so seien Sie zumindest achtsam im Schnitt und im Material.
Nichts ist schlimmer als beige Kleidung in furchtbaren, allzu casual Standardschnitten und leicht pflegbaren Stoffen. Am schlimmsten, und dieses Klischee, vor allem gesehen bei den Herren der Schöpfung kennt jedermann, beige-braune Sandalen mit beigen Baumwollsocken, dazu eine beige Bermuda, wenn möglich noch ein braunes Hemd. Ich denke, dass sich mittlerweile auch im Angebot für Herrenmode einiges getan hat, um Adam so aktuell und modern aussehen zu lassen, sodass Eva nicht vom roten Apfel verführt werden kann.

Ich finde gerade in dieser Generation von 50+ sollte man aus den Vollen schöpfen – haben viele nicht während ihres Berufsleben auf Diskretion in der Erscheinung achten müssen, und persönliche Kleidungsvorlieben zurückgesteckt?! Es ist gerade so als hätten Männer so wie sie in der Pension sind, den Standard-Anzug, gegen das Standard Beige eingetauscht und ähnliches bei den Frauen. Überlegen sie einmal wie sie als Jugendlicher modemäßig unterwegs waren, und ich bin mir sicher, dass sie nicht unmutig waren! Haben Sie Spaß!

Lassen Sie Farbe in Ihren Alltag, in Ihrem Sein und Schein!- das Semmelbraun bleibt Ihnen nach wie vor frisch auf den Frühstückstisch erhalten, vor allem wenn sie es schaffen es ein wenig aus Ihrem Kleiderschrank zu verbannen!

MMag. Michaela Bürger / Modedesignerin Paris




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