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Das Grab Jesu, wo heute die Grabeskirche steht, war einstmals ein der Aphrodite geweihtes Heiligtum, und an der Stelle der Auferstehung stand ein Götterbild des Jupiter. Der heilige Fels in Jesuralem, wo jetzt eine der heiligsten Moscheen des Islam, der Felsendom steht, war im Laufe der Zeit von fünf Religionen besetzt. Zuerst verehrten die Kanaaniter, die dem Gott Baal huldigten, den Fels, ihnen folgten Juden, Römer, Christen und schließlich Moslems. Wie ist eine solche Kontinuität zu erklären?
Zum einen sicherlich durch die die Religion betreffenden machtpolitischen Interessen. 392 n.Chr. ordnete das Edikt des Theodosius an, alle heidnischen Heiligtümer in Kirchen umzuwandeln, und Papst Gregor schrieb im Jahre 601 n. Chr. einen Brief an den Erzbischof von London, in dem er ihn ersuchte, die heidnischen Tempel in Kirchen umzubauen.
Der Ersatz des heidnischen Heiligtums durch eine Kirche sollte verhindern, dass die Heiden ihrer Gottheit an derselben Stätte weitere Zeremonien abhielten. Auch die Römer zielten mit ihren Eroberungszügen bewusst auf die zentralen Heiligtümer der zu erobernden Völker. Doch kann daraus allein nicht der Standort heutiger Kirchen und Heiligtümer erklärt werden. Der Archäologe Milne-Edwards fand in der Grotte von Lourdes, in der der vierzehnjährigen Bernadette achtzehnmal die Heilige Jungfrau erschienen war, eine Reihe eiszeitlicher Kunstwerke. Die Höhle war bereits Jahrtausende zuvor ein heiliger Ort gewesen. Davon konnte das junge Mädchen nichts wissen. Zum Teil lagen Jahrhunderte und Jahrtausende zwischen den einzelnen Epochen mit Kulthandlungen! Es muss etwas geben, das denselben Ort für die Menschen unterschiedlicher Epochen als heilig erscheinen lässt.
Wodurch zeichnet sich diese Heiligkeit aus?
Gibt es eine objektive Qualität eines Ortes, die wir als sakral bezeichnen können?
Die Phänomenologie des Ortes
Zunächst muss bewusst sein, dass der Ort ein qualitatives Gesamtphänomen darstellt, das sich nicht auf rein räumliche Verhältnisse reduzieren lässt. Der Raum zeigt die dreidimensionale Organisation eines Ortes, während der Charakter eines Ortes die allgemeine Atmosphäre bestimmt, also die umfassende Eigenschaft eines Ortes. Jede Landschaft hat einen solchen Charakter, den der Mensch empfindet. So hat der Himmel vorrangig kosmische Bedeutung, während die Erde das Bedürfnis des Menschen nach Schutz und Nähe befriedigt.
Der Mensch suchte aber auch im heiligen Ort nach einem landschaftlichen Rahmen, der die mythische Landschaft repräsentiert. Die altertümlichsten heiligen Orte bilden einen Mikrokosmos, eine Landschaft aus Steinen, Bäumen und Wasser. Eine solche Kleinlandschaft ist Abglanz und Abbild des Makrokosmos. Wo also Stein, Baum und Wasser zusammenfanden, entstanden oft heilige Orte.
Der Stein versinnbildlichte Unzerstörbarkeit und Dauer, der Baum offenbart den Zyklus des Lebens und seine heilige Macht. Das Wasser steht für die Fruchtbarkeit des Urchaos und beinhaltet die Möglichkeit der Reinigung. Ein weiterer Faktor des heiligen Ortes ist das Licht. Das Licht stand immer in Verbindung zum Transzendenten. Das Licht ist aber ein sich während der Tages- und Jahreszeitenabläufe stark verändernder Faktor. Es ist eng mit den Zeitabläufen in der Natur verknüpft.
Heilige Orte sind aber vor allem Orte, an denen sich die Umwelt als harmonisches Ganzes zeigt. In einer „Kosmischen“ Landschaft werden kompensierende chthonische Elemente (Berg als Ausdruck der Erdhaftigkeit, Vegetation, Wasser) gesucht, in der „romantischen“ dagegen eher kosmische Elemente (Berg als Podest mit Panoramablick, weite Ebene, Lichtung im Wald). Heilige Orte finden sich deshalb gerade dort, wo sich die Natur als begrenzter Raum anbietet oder ein Zentrum schafft.
Wer sich im Urlaub oder auf einer Wanderung befindet, der erspüre doch einmal qualitative Unterschiede der Orte.
Wie geht es mir, wenn ich durch ein Tal wandere?
Wie, wenn ich im Wald, wie wenn ich auf offenem Feld bin?
Wichtig ist dabei, zunächst das kausale Denken beiseite zu lassen, auf seine inneren Empfindungen zu horchen, ohne ihnen ins Wort zu fallen. Nachträglich kann man die gemachten Erfahrungen durchaus ordnen und werten. Ein zeitweiser Verzicht auf analytisches Denken bedeutet noch keinen Verlust des Kopfes!
Naturwissenschaftliche Untersuchungen
Eng mit der landschaftlichen Charakteristik des heiligen Ortes ist ein spezifisches Mikroklima verknüpft.
Beispielsweise wies Dolores La Chapelle darauf hin, dass Wasserfälle, Berge und dichte Vegetation wie in Hainen - also bevorzugte Kultorte - sich durch die Gemeinsamkeit der hohen Konzentrationen an negativen Ionen auszeichnen. Negative Ionen gelten aber in der Medizin allgemein als wohltuend, während Positive - wie im Fall bestimmter Wetterlagen - Kopfschmerzen verursachen können.
Israelische Forscher fanden heraus, dass der Serotoninspiegel im Gehirn durch negative Ionen rasch fällt. Schishewkijs Forschungen zeigten auch, dass die Einatmung negativer Ionen das System der roten Blutkörperchen stabilisiert und so der Heilung förderlich sein kann, die am sakralen Ort gesucht wird.
Darüber hinaus werden an sakralen Plätzen aber eine ganze Reihe von physikalischen Kräften wirksam.
Granit z.B. ist ein stark radioaktives Gestein.
Gebiete, in denen Granit in hohen Mengen im Boden vorkommt, weisen, so wies der englische Forscher Paul Devereux in zahlreichen Untersuchungen nach, eine höhere natürliche radioaktive Hintergrundstrahlung auf. Cornwall ist eines dieser Gebiete in England. Es besitzt gleichzeitig die höchste Konzentration prähistorischer Kultstätten in England. Größere Tibetanische Klöster liegen fast ausnahmslos in Gebieten mit erhöhter natürlicher Radioaktivität.
Diese Untersuchungen legen die Hypothese nahe, dass der Mensch befähigt ist, auf die eine oder andere Weise Radioaktivität wahrzunehmen, zwar nicht im Sinne eines Riechens, Schmeckens oder Fühlens, jedoch dergestalt, dass die Radioaktivität oder zumindest ihre Schwankung bewusstseinsverändernd wirkt.
Ähnlich sieht es mit der Beeinflussbarkeit der menschlichen Psyche durch magnetische Felder aus. So haben Basalt und Granit höhere magnetische Eigenschaften als Sedimentgesteine.
Teile des Gehirns (insbesondere der Schläfenlappen lobus temporalis), die mit Erinnerung und Träumen in Verbindung gebracht werden, sind für elektromagnetische Felder empfindsam. Die Zirbeldrüse spricht ebenfalls auf schwache Magnetfelder durch eine Veränderung der Hormonproduktion an.
Mikrowellenstrahlen haben messbare Wirkungen auf den Hypothalamus, der das vegetative Nervensystem steuert. Der Mensch reagiert folglich nicht nur auf die sichtbare, sondern auch auf die unsichtbare Landschaft, also das, was unter der Vegetationsdecke verborgen liegt, auf Gesteine und geologische Brüche.
Lichter - Erwiesen ist, dass solche Lichter während Erdbebenaktivitäten und in Begleitung starker elektrischer Ströme entstehen (konnten schon künstlich im Labor erzeugt werden). Ein quarzhältiger Felsen erzeugte unter dem Druck von 2252 Kilogramm pro Quadratzentimeter kurz vor dem Auseinanderbrechen kleine Lichtbälle. Nach der Theorie von Paul Devereux hängt ihr Auftreten mit seismischen Aktivitäten zusammen, die nicht unbedingt die Stärke eines Bebens erreichen müssen.
Es wird deutlich, welcher Komplexität von Faktoren der Mensch am heiligen Ort begegnet.
Und es wird verständlich, dass der häufig gebrauchte Begriff „Ort der Kraft“ nicht viel aussagt.
Um welche Kraft handelt es sich dabei?
Sind es Landschaftssymbole, die unser Unterbewusstsein reizen,
oder messbare physikalische Faktoren,
oder beides?
Ein wirklich heiliger Ort, eine Wallfahrtsstätte z.B., auf ein Schlagwort „Ort der Kraft“ zu reduzieren, wird dem eigentlichen Phänomen, der Ungeheuerlichkeit der sakralen Realität, die sich dort manifestiert, nicht gerecht!
Radiästhetische Untersuchungen
Nun fanden einige Wünschelrutengänger an Kultstätten wie Kirchen Steinkreisen, Viereckschanzen oder römischen Tempel eine Konzentration an sogenannten „Reizzonen“ - also Zonen, die den Wünschelrutenausschlag provozieren -, die nicht zufällig sein kann.
Mit anderen Worten:
Die Plätze zum Bau der Heiligtümer wurden bewusst gewählt.
Dr. Purner von der Universität Innsbruck fand heraus, dass Kirchen häufig an solchen Reaktionszonen orientiert sind, die Kreuzungsphänomene dieser Reizzonen aufweisen.
Nun vermag dies noch nicht zu klären, warum ein solcher Ort heilig ist. Sicherlich stellt eine Wasseraderkreuzung eine gewisse Besonderheit dar, doch sie besitzt deswegen noch nicht das, was man als numinos bezeichnet, die Anwesenheit einer heiligen, weil heilenden, also göttlichen Kraft.
Die Besonderheit einer Reaktionszone wird erst begreifbar, wenn man sich bewusst ist, dass eine Strahlung, die körperliche Reaktionen auslösen kann, durchaus auch in der Lage sein kann, geistige Reaktionen auszulösen.
Stellt man sich auf eine solche, von einem Wünschelrutengänger bezeichneten Stelle, so kann es geschehen, dass der Geist leer wird, der Körper ruhig und entspannt oder dass Gehirnaktivitäten einsetzen, die solchen nicht unähnlich sind, die während der Übung östlicher Meditationstechniken auftreten. Unterschiedliche Reaktionszonen bedingen natürlich verschiedene körperliche und geistige Reaktionen. Eine radiästhetische Planung setzt also eine profunde Kenntnis solcher Wirkungen voraus.
Dennoch scheinen diese radiästhetische Phänomene nicht das Eigentliche eines heiligen Ortes zu sein.
Gewiss, sie helfen den Menschen in eine sakrale Stimmung zu kommen, ruhiger zu werden, aufnahmebereit zu sein, doch aufnahmebereit wofür?
Was nützt eine geistige Bereitschaft, wenn sich das Phänomen „heiliger Ort“ in verschiedenen Strahlungen und Symbolen erschöpft?
Der Mensch erscheint hier auf sich allein gestellt, die religiöse Erfahrung wird zu einer Reaktion des menschlichen Gehirns degradiert. Ein solcher Ort wäre geeignet für einen Meditationsraum, vielleicht auch für ein fernöstliches Zen-Kloster, aber für eine Kirche?
Für ein Haus Gottes?
Wer gibt hier die Antwort auf Fragen und Gebete?
Wer wäre der eigentliche Ansprechpartner?
Ich glaube nicht, dass Hunderttausende gläubiger Pilger sich jährlich auf den Weg machen, um sich auf eine Wasseraderkreuzung zu stellen. Vielmehr erscheinen mir die radiästhetischen Phänomene Plätze zu bezeichnen, an denen sich eine andere Wirklichkeit erorten kann, Orte, an denen eine andere Welt hereinbricht, an denen Himmel und Erde sich vereinigen. Von seiten der Radiästhesie kommt ein Phänomen diesem Aspekt der Wirklichkeit sehr nahe. Es handelt sich dabei um die von Hans-Jörg Müller gefundenen und beschriebenen „einstrahlenden Punkte“ - Energiephänomene, die als vertikale Säulen Himmel und Erde verbinden und als „Himmelsleitern“ für das menschliche oder metaphysische Bewusstsein dienen.
Wo immer sich Wunder vollzogen oder sich Wallfahrtsstätten entwickelten, ist meiner Erfahrung nach dieses Phänomen beobachtbar. So werden die sichtbare und unsichtbare Landschaft, die Bäume, Berge und Wasser, die geologischen und radiästhetischen Qualitäten eines Ortes zu Anknüpfungsstellen für höhere Wirklichkeiten, die die Menschen gleichzeitig vorbereiten und ein Bewusstsein ermöglichen, das dieser Wirklichkeit begegnen kann.
Es komme leichter im religiösen Bereich zur „objektiv-intensiven Auswirkung der Gefühle“, wenn diese auf Sachen, Räume oder Orte gerichtet sind. Doch letzten Endes antwortet der Mensch „darin auf bestimmte Eigenschaften des erfassten Heiligkeitswesens, und gerade die personale Tiefe seiner Antwort bezeugt die ungeheure Realität, mit der es ihm gegenwärtig ist“.
So stellt der heilige Ort mit allen genannten Faktoren eine Einstimmung des Subjektes auf die eigentliche Heiligkeit, das Numinose, dar, das selbst sich zwar an der Landschaft Bezugspunkte „festmacht“ und orientiert, aber nicht wissenschaftlich erfasst werden kann, sondern sich allein im persönlichen Erleben eines Menschen als ungeheure Realität ausdrückt.
Beitrag einer Leserin |