Die Pflanze wurde erst 1911 entdeckt, und obwohl man nach einer weiteren Verbreitung forschte, konnte man sich außer auf dieser schalen Fundstelle, dem Felsband, nirgends finden - selbst nicht in nächster Nähe auf gleichem Untergrund unter gleichen Umweltsverhältnissen und unter denselben Begleitpflanzen.
So ist neben der Wulfenia die Lichtblume vom Standpunkt des Vorkommens die eigenartigste Pflanze Kärntens.
Ihre Hauptverbreitung liegt in Südeuropa - Frankreich über den Tessin und Serbien bis Südkaukasien. Dies verrät Wärmeliebe, und sichtlich entsprechen die Verhältnisse auf unserer Südwand - allerdings nur im engsten Bezirk des Fundortes - dieser Tatsache. Auf der äußerst steilen Wand hält sich kaum Schnee, dazu liegt der Platz oberhalb der Talnebelgrenze und der im Villacher Becken lagernden Kaltluft. Man las in Villach um 12 Uhr 0 Grad und um 16 Uhr bei der Lichtblume + 18 Grad.
Drei seltene Begleitpflanzen beweisen ebenfalls das günstige Kleinklima.
Der Karst Schneckenklee - Medicago carstiensis (Oberitalien, Gerlitzen, Serbien),
der Zartblättrige Spargel - Asparagus tenuifolius nördlichstes Vorkommen auf der Gerlitzen, sonst Südeuropa bis Kleinasien, und
der Berg-Lauch, Allium montanum, eine Pflanze des pontischen Steppenraumes (Südrussland).
Die Bestäuber sind Nessel- und Zitronenfalter, Honigbienen und Fliegen.
Viele Tatsachen um eine seltsame Pflanze!
Trotzdem sind die Fragen, wie und von wo unsere Blume herkam, noch nicht zu klären. Freuen wir uns, dass sie mitten im Winter hier blüht und damit beweist, wie stark das Leben ist.
Oben ist schon Frühling - unten im Reif der Täler spürt man in anderer Weise sein Kommen: Es ist noch kalt, aber der Tag ist schon länger geworden. Es gibt dafür „genaue“ Maße:
Am Christtag um eine „Mugg’ngameza“ _ das Gähnen einer Mücke,
zu Neujahr um einen Hirschsprung.
Allerlei Zauberei muss getan werden, die Welt aus der Winterstarre zu lösen: Eine Schüssel mit Mehl wird über Nacht in den Wind gestellt, damit es, verblasen, dem Jahre Fruchtbarkeit gibt. Die Ausgelassenheit der Faschingszeit zeigt, dass der Winter die Herrschaft verloren hat. Wie das Wasser das Eis sprengt, so löst sich auch der Mensch aus den Fesseln; alles gerät in Bewegung, treibt und wird getrieben, bis Böllerkrachen und Osterfeuer den Sieg des Frühlings künden.
Mag auch manches vergehen, anders bis zur Unkenntlichkeit verändert werden, irgendwo und irgendwie in der Zeit dieses Ur-Aufbruches spürt auch der heutige Mensch das drehende Rad des Jahres.
Beitrag einer Leserin
Quelle: "Kärtnen im Mosaik der Erde" von Werner Fantur, 1974 Verlag Carinthia
|