Zauberei und Hexerei - Straße im Bereich Landskron

Im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts fanden die letzten Hexenprozesse und -verbrennungen statt.
 

Leopold I bestätigte am 7. Juli 1703 der Stadt Sankt Veit das Malefizrecht, das Recht zum peinlichen Verhör mit der Folter. 1686 wurden über 60 Personen der Hexerei angeklagt und viele davon dem Scheiterhaufen überantwortet, 1687 in Millstatt eine Hexe hingerichtet. Sogar zwei Pfarrer werden angeklagt und einer davon verfällt im Kerker dem Wahnsinn. Noch 1770 enthielt die peinliche Gerichtsordnung Maria Theresias die Folterung.


Auch hier am Ossiacher See brannte ein Scheiterhaufen - das Todesurteil erging wegen Zauberei und Hexerei. Manche Anklage fußte auf damals unerklärlichen Erscheinungen.
Zwischen Seeufer und dem schattigen und feuchten Nordhang des Ossiacher Tauern verlief der Fahrweg Richtung Villach. Mühsam zogen die Pferde die schweren Fuhrwerke und wurden immer wieder angetrieben, um noch vor der sinkenden Nacht an den unheimlichen Felsen vorbeizukommen und das weite Tal bei Landskron zu erreichen.


Die ganze Gegend galt als Hexengebiet. Ein Gefolterter erzählte in seiner Qual, der Teufel hätte ihn in die Lüfte gehoben, und als er über der Gerlitzen schwebte, habe er eine Menge vermummter Menschen zechend und tanzend getroffen und sich mit ihnen vergnügt. Auch ein zweiter nannte die Gerlitzen als Ort eines Hexentreffens.


Wenn dann im Spätherbst die Nebelfrauen in den Bäumen hockten, konnte es geschehen, dass plötzlich ein unsichtbares Etwas vor den Pferden zu Boden fiel. Die Tiere scheuten und schmetterten Wagen und Fuhrleute an die Baumstämme, blieben endlich ängstlich schnaubend stehen, aber das Unglück war geschehen. Suchte man dann am Morgen den Weg ab, so fand man gar nichts mehr, oder ekelhafte Klumpen, die wie Erbrochenes, wie Überreste von Teufels- und Hexenmahlzeiten aussahen, wie sie auf solchen „Tanzplätzen“ öfters gefunden wurden.


Beides war gleich verdächtig und bald suchten sich Dummheit und Gehässigkeit ein Opfer unter den Kräuterweiblein oder Wurzelklaubern, oder was noch besser war, man konnte Bauersleute  beschuldigen und ihren Besitz einziehen.


Noch ein Jahrhundert später tauchten solche Berichte auf, wenn man auch nicht mehr wagte, die gleich wahnwitzigen Anklagen zu erheben.


Dahinter steckt eine Spaltalge (Nostoc), die Gallertalge, bei der die einzelnen Algen oder ganze Fäden durch eine sulzige Gallertschichte verbunden sind. Bei feuchtwarmem Wetter können auf bemoosten Felsen große Klumpen entstehen, die dann durch die Erschütterung der Fuhrwerke hinabkollerten, zum Teil bis zum nächsten Tag vertrockneten und damit fast verschwanden oder eben in Stücken erhalten blieben. Für die teuflische Anklage reichte dieser Tatbestand und bezeugt wieder, dass zu jeder Zeit Licht und Schatten hart nebeneinander liegen.

Beitrag einer Leserin


Quelle: „Kärnten im Mosaik der Erde“, von Werner Fantur, 1974 Verlag Carinthia




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