Kärnten - Der Faaker See, Verlandungsvegetation und Moorentwässerung

Der FAAKER SEE liegt in einer breiten Talung, die als Fortsetzung des Gailtales bezeichnet werden kann. Noch während des jüngeren Pleistozäns dürfte hier die Gail geflossen wein. Vielleicht haben sie erst die großen, jungen Schwemmkegel der Karawankenbäche, die in die Talfurche gewaltige Schuttmassen geschüttet haben, verdrängt, und sie wendet sich nun in einem auffallenden Fluss-Knie bei Müllern nach Norden in das Gebiet von Villach.

So fließen in der breiten Talung nur kleine Bäche, darunter der Abfluss des Faaker Sees. In dieser Talung liegt der Faaker See, mit einer Fläche von 2,35 km² und 29,5 m Tiefe der fünft größte See Kärntens.


Deutlich zeigt sich eine Umrahmung. Im Süden tritt der Konglomerathügel der Vinza nahe an ihn heran, im Norden und Westen dehnt sich ein weites Hügelland aus Konglomeraten aus und im Nordosten überragt den See mit  steilem Hang der plateauförmige Tabor, eine Sattnitzkonglomeratplatte, die Triaskalken auflagert. Im Südosten schließt an den See eine weite, großteil waldbestandene Fläche an, die Aufschüttung es Woroutzbaches, der mit seinen riesigen Schottermengen einen großen Teil des Sees bereits zugeschüttet hat und weiterhin an der Arbeit ist, ihn allmählich aufzufüllen. Wenn man den Bach von seiner Einmündung in den Faaker See aufwärts verfolgt, sieht man, wie er im Mittagskogelbereich aus einem tiefen Kerbtal heraustritt, in dem gewaltige Schuttmassen zum Abtransport bereit liegen. Er sammelt sie aus dem Bereich des Großen und Kleinen Mittagskogels, wo er riesige Erosionsmulden und schroffe Zerschneidungsformen geschaffen hat. Vor allem nach Gewittern und lange dauernden Herbstregen transportieren große Wassermassen den Schutt talaus bis in den See. Gewöhnlich ist der Bach ein unbedeutendes Gewässer.

Der Faaker See ist als kalkalpiner See zu bezeichnen. Der Bach bringt feinsten Kalkstaub in den See, der lange im Wasser schwebt. Dadurch erklärt sich die leuchtende, türkisblaue Farbe des Wassers, er ist einer der schönst gefärbten Seen Kärntens.


An der Westseite des Sees sieht man große Schilfflächen. Auch hier war der See ehemals viel größer; flache Buchten verlandeten hier allmählich durch die Vegetation, so dass heute Verlandungsmoore diese Buchten großteils ausfüllen.

Der See verlandete somit relativ rasch von Westen und Osten, und während er nach dem Schwinden der eiszeitlichen Gletscher eine westostgestreckte Gestalt hatte, so ist heute seine Ausdehnung von Nord nach Süd bedeutend größer.


Verlandungsvegetation – Verlandungsmoor


Die naturnahen Uferflächen wie das Drobollacher Moor, stehen heute unter Naturschutz.


Im offenen Wasser gedeihen verschiedene Schwimmblattgesellschaften, in ihnen fallen vor allem See- und Teichrosen sowie verschiedene Laichkräuter auf. Landeinwärts findet sich meist ein Binsen-Schilfröhricht. Bei zunehmender Verlandung treten meist Großseggen-Sümpfe auf, der in Kärnten verbreitetste ist der Steifseggen-Sumpf. Weniger häufig sind das Rohrkolbenröhricht, der Rispen- und Fadenseggen-Sumpf oder der Schneidebinsen-Sumpf. Die durch ihre gesägten scharfen Blätter auffallende Schneidebinse (Cladium mariscus) benötigt für ihr Gedeihen einen Kalk- und Sauerstoffgehalt aus randlichen Quellen und ist um den Faaker See und den Turner See anzutreffen.
Im Hinterland schließen Flachmoore an, in Unterkärnten sind es Kalk-Flachmoore wie der Mehlprimel-Kopfbinsenrasen, sie leiten zu den wechselfeuchten Streuwiesen über, zu denen die erst im Spätsommer ins Auge fallenden Pfeifengraswiesen gehören. Diese einschurigen Wiesen werden leider immer seltener gemäht und drohen daher zu verbuschen.

Moore sind vegetationsbedeckte Lagerstätten von Torfen, d. h. von mineralarmen Humusansammlungen, die zumindest während ihrer Entstehung wasserdurchtränkt waren und aus Mangel an Sauerstoff nicht stärker zersetzt werden konnten.

Diese organischen Restmassen stammen entweder von den heutigen Pflanzengesellschaften oder von früheren Vegetationsstadien, die bei der Verlandung von Gewässern oder bei der allmählichen Versumpfung mineralischer Böden vorangingen.

Man unterscheidet Nieder- oder Flachmoore und Hochmoore. Die Oberfläche eines Nieder- oder Flachmoores folgt derjenigen des Grundwassers, ist also im Großen und Ganzen horizontal. Das Hochmoor wölbt sich mehr oder minder deutlich über seine Umgebung empor und schafft sich einen „mooreigenen“ Wasserspiegel. Sie bilden sich dadurch, dass gewisse Torfmoosarten, Sphagnum, in großen, schwammigen Polstern über das allgemeine Grundwasserniveau emporwuchern.

Moorentwässerung


Die Moorentwässerung hat schon vor mehreren Jahrhunderten begonnen. Mit Fortschreiten der Technik wurde die Moorentwässerung auch in Kärnten immer rigoroser durchgeführt, so daß wir heute nur noch wenige Moore besitzen, die sich einigermaßen in einem Zustand weitgehender Ursprünglichkeit befinden.

Sinn und Zweck jeder Moorentwässerung ist das Absenken des Grundwasserspiegels, um die Bodenverhältnisse zu ändern und so anderen Pflanzen, vor allem den Kulturpflanzen, die entsprechenden Lebensbedingungen zu bieten. In den meisten Fällen reicht  der Erfolg der Entwässerung kaum zwei Jahrzehnte aus, und dann muss wieder neu entwässert werden.

Die Ursache liegt darin, dass durch das Absenken des Grundwasserspiegels die im Moor gelagerten organischen Massen, die bis zur Entwässerung durch das Wasser von der Luft abgeschlossen waren, durch Luftzutritt abgebaut werden. Es kommt zu einer Art „Verbrennung“, die mit der vollständigen Mineralisierung der Nährstoffe endet. Durch den Bodenabbau sackt der nunmehr der Luft ausgesetzte Teil des Moores immer mehr zusammen, und es verringert sich dadurch von Jahr zu Jahr der Abstand zwischen der Lage der Drainröhre oder der Sohle des Entwässerungsgrabens zur Oberfläche mehr und mehr. Der Bodenschwund kann in den ersten Jahren im Jahr fünf Zentimeter und mehr betragen. Es verlangsamt sich dann immer mehr, je mehr der Abstand zwischen dem Grundwasser und der Oberfläche abnimmt.  Die Stärke des Bodenschwundes ist weitgehend auch vom Klima abhängig. Je maritimer, also je feuchter ein Klima ist, desto langsamer  ist der Bodenschwund. Umgekehrt, je kontinentaler, also je trockener, desto schneller erfolgt die Sackung des Moores. Dadurch wird der Lebensraum der Kulturpflanzen, der nur bis in die Nähe des Grundwassers reicht, immer kleiner und die Konkurrenzkraft der Kulturpflanzen gegenüber den Moorpflanzen immer geringer. Erfolgt keine neue Entwässerung, dann bleiben bald die Moorpflanzen Sieger.

Abgesehen von den hohen Kosten einer neuerlichen Entwässerung hat die Moorentwässerung aber auch noch andere Folgen. Außer der Zerstörung der Moorvegetation und des Lebensraumes für viele Tiere bedeutet eine Entwässerung immer eine Mobilisierung von vielen Nährstoffen aus Jahrtausenden. Diese Nährstoffe werden aber nur teilweise von den Kulturpflanzen aufgenommen, der Rest wird sehr rasch ausgewaschen.

Wie SAMPL 1972 für das Entwässerungsgebiet der Bleistatt, das im Einzugsgebiet des Ossiacher Sees liegt, nachweisen konnte, stammen 12 Prozent des Phosphors, der jährlich dem See zugeführt wird, aus dem Entwässerungsgebiet. Dies bedeute, dass dem Ossiacher See, aich nach Fertigstellung der Kanalisation, die alle häuslichen und Industrie-Abwässer aus dem Einzugsgebiet dem See fernhalten soll, immer noch zu viele Nährstoffe in den See gelangen und dass Maßnahmen notwendig sein werden, diese Nährstoffe unschädlich zu machen.

Eine rechtzeitige Erklärung des Bleistätter Moores zum Naturschutzgebiet und dadurch Erhaltung des Lebensraumes Moor für viele seltenen Pflanzen und Tiere, darunter auch der in Kärnten schon seltenen Wassernuß, Trapa natans, wäre billiger gewesen.

Moorentwässerungen beeinflussen aber auch sehr oft den Wasserhaushalt der Landschaft sehr nachteilig. Durch die Entwässerung kann der Grundwasserspiegel in der Umgebung um mehrere Meter abgesenkt werden.

Nicht entwässerte Moore sind  ideale Wasserspeicher.

Diese Beispiele zeigen sehr deutlich, dass der Schutz des Lebensraumes von seltenen Pflanzen und Tieren auch Schutz des Lebensraumes des Menschen ist.


eine Leserin von pensionist.at




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