Flugangst

Wie sicher ist Fliegen?
Warum wackelt es beim Start? Kann ein Flugzeugflügel abbrechen? Was passiert, wenn ein Triebwerk ausfällt? Ein Pilot klärt die Hauptauslöser für Flugangst auf.
Flughafen Frankfurt. Ein ganz normaler Tag, an dem etwa 150.000 Menschen das internationale Flug-Drehkreuz benutzten werden. Zur Urlaubszeit werden es noch einmal deutlich mehr sein. Doch bei manchen Flugreisenden herrscht nicht nur Vorfreude auf den ersehnten Urlaub, sondern vor allem Angst. Gerade größere Flugunfälle, auch wenn sie statistisch gesehen selten vorkommen, setzen sich schnell im Gedächtnis fest. Dann dominiert die Angst, dass während des Flugs etwas Schreckliches passiert. Dass man Opfer eines Flugzeugabsturzes werden könnte. Eine berechtigte Sorge? Zusammen mit Matthias Baur gehen wir dieser Frage nach. Wir wollen von dem Co-Piloten der Lufthansa wissen: Wie groß ist das Risiko wirklich? Und: Wissen Piloten von den Ängsten vieler Passagiere?

„Uns ist bewusst, dass ein Teil der Passagiere unter Flugangst leidet", sagt Matthias Baur. "Sobald sich ein Mensch von A nach B bewegt, ist er einem Risiko ausgesetzt." Es gebe zwar keine hundertprozentige Sicherheit - aber man könne einen Unfall in der Luft im zivilen Luftverkehr inzwischen fast immer ausschließen.

Angstauslöser 1: Der Start
Dennoch fliegt bei so manchem Passagier die Angst mit. Und das schon mit Beginn des Fluges. Schon der Start jagt vielen Reisenden den Puls in die Höhe: Da ist dieses Wackeln und Klappern, das die Befürchtung aufkommen lässt, das Flugzeug sei instabil und könnte auseinander brechen.

Matthias Baur beruhigt: „Das Flugzeug bricht nicht auseinander. Dieses Gefühl der Passagiere, das Flugzeug wäre vielleicht ein bisschen wackelig, rührt daher, dass die verschiedenen Bauteile, die in ein Flugzeug verbaut sind, eine bestimmte Flexibilität haben müssen.

Denn das Flugzeug - und vor allem die Zelle des Flugzeugs - verändern sich. Das heißt: Bei Aufnehmen der Geschwindigkeit und vor allem bei zunehmender Höhe durch den sich verändernden Luftdruck verändert sich die Kabine. Die dehnt sich ein bisschen aus oder zieht sich ein bisschen zusammen. Daher ist es wichtig, dass die Bauteile eines Flugzeugs flexibel sind. Und das wird von den Passagieren dann wahrscheinlich so ein bisschen als schlechte Verarbeitung wahrgenommen. Ist es aber nicht.“


Angstauslöser 2: Die Tragflächen
Manche Passagiere plagt der schreckliche Gedanke, ein Flügel könnte abbrechen. Auch hier gibt Matthias Baur Entwarnung: „Ein Flügel kann praktisch nicht abbrechen. Es gibt zwei Gründe dafür. Der erste ist: Die Flügel sind fest mit der Zelle des Flugzeugs verbunden. Also von daher gibt es keine Bruchstelle an dieser Stelle. Des Weiteren werden diese Flügel Belastungstests ausgesetzt.

Das heißt: Die Flügel werden so lange gebogen, in Hallen, Laboren, bis sie wirklich brechen. Diesen Belastungen, die dort auftreten, denen ist ein Flugzeug im Fluge nie ausgesetzt."


Angstauslöser 3: Die Triebwerke
Was ist, fragen sich viele Passagiere, wenn ein Triebwerk ausfällt? Auch hier kann Matthias Baur beruhigen. Ein Triebwerksausfall ist absolut kein Grund, in Panik zu verfallen. „Der Passagier muss keine Panikattacken kriegen. Der Ausfall eines Triebwerks ist für uns völlig unproblematisch. Wir können das Flugzeug sicher bis zum Zielflughafen weiterfliegen“, sagt Baur.

Das Flugzeug lasse sich auch dann noch fliegen, sollten „wirklich mal alle Triebwerke ausfallen, was sehr, sehr unwahrscheinlich ist“, berichtet Baur. „Man würde sich dann einen Ausweichflughafen suchen und dort landen. Aber ich würde heute mit Ihnen wetten, dass ich in meiner fliegerischen Laufbahn keinen Triebwerksausfall erleben werde.“


Angstauslöser 4: Das Fahrwerk
Immer wieder fürchten Passagiere, dass sich das Fahrwerk bei der Landung nicht ausfahren lässt. Eine Bauchlandung hätte unabsehbare Folgen. Doch auch hier gibt Pilot Matthias Baur Entwarnung. Lässt sich das Fahrwerk nicht auf dem normalen Wege ausfahren, gibt es immer noch Alternativen.

Baur: „Wir können die Fahrwerke mit verschiedenen Systemen ausfahren. Wir haben einmal die Hydraulik als primäres System. Sollte die Hydraulik einmal nicht funktionieren, können wir die Fahrwerke auch noch manuell ausfahren, sprich: über Gravitation ausfahren lassen. Sollte es im schlimmsten Fall einmal dazu kommen, dass ein Teil des Fahrwerks ausfällt, kann ein Flugzeug auch auf dem vorhandenen, restlichen Fahrwerk sicher landen.“

Dass eine gewisse Anspannung bei den meisten Passagieren immer vorhanden bleiben wird, ist ganz normal: Denn so richtig sicher fühlt sich der Mensch eben nur auf dem Erdboden.

 

Quelle: www.hr-online.de




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