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Historische Sorten sind fast in Vergessenheit geraten
Nostalgisch klingen die Namen der klassischen alten Sorten wie "Ontario" oder "Goldparmäne". Es gibt sie seit mehr als 100 Jahren. Aber die wirklich historischen Sorten sind noch älter, und zum Teil völlig in Vergessenheit geraten: "In Hessen sind das zum Beispiel Sorten wie "Gacksapfel", "Siebenschläfer", "Glockenheimer Streifling" aus Glockenheim bei Wiesbaden. Vom Wetterauer "Dorheimer Streifling" sind sogar nur noch acht Bäume offiziell bekannt gewesen – erst sozusagen fünf vor zwölf kam die Rettung, berichtet Gärtnermeisterin Angela Römer-Zeibig: "Für unsere Gegend typisch ist der Heuchelheimer Scheeapfel, das ist der Lokalmatador hier in Heuchelheim und Umgebung. Wir haben geschmacklich besonders hochwertige Sorten wie zum Beispiel den Kaiser-Wilhelm. Es gibt die Ananas-Renette, den Körler Edelapfel, den Rheinischen Winterrambur, die Rote Sternrenette."
Alte Apfelsorten brauchen viel Platz
Viele alte Apfelsorten kann man gut über den Namen identifizieren, zum Beispiel die Rosenäpfel, die in der Farbe zartrosa Bäckchen haben, oder die Schafsnase, deren Apfel in der Form wie die Nasenspitze eines Schafes aussieht.
Wer sich eine alte Apfelsorte in den Garten holen will, braucht in erster Linie Platz. Denn die Bäume, die bis zu 100 Jahre alt werden, sind nichts für kleine grüne Eckchen. Und Geduld ist auch nötig: "Der Ertrag beginnt oft erst im fünften, sechsten oder siebten Jahr nach der Pflanzung.
Äpfel in allen Geschmacksrichtungen
Auch der Schnitt spielt eine große Rolle. Dafür gibt es in den Wintermonaten Lehrgänge bei Volkhochschulen oder in Garten- und Obstbauvereinen. Wie dem Pomologen-Verein, der sich alten Obstsorten verschrieben hat. Was diese Sorten von unseren gleichförmigen, auf süße Aromen gezüchteten Supermarktäpfeln unterscheidet, spricht durchaus für sie: "Es gibt alle Geschmacksrichtungen, es gibt Äpfel, aus denen können Sie einen Erdbeer- oder einen Ananas-Geschmack herausschmecken. Allgemein kann man sagen, dass die alten Apfelsorten eher säurebetont schmecken – ein Apfel, der viel Säure in sich hat, hat auch immer einen etwas höheren Vitamin-C-Gehalt." Außerdem gibt es spezielle Sorten für spezielle Nutzungen: "Es gibt Apfelsorten wie den Gelben Edelapfel, die reine Kuchenäpfel sind. Früher wussten das die Bäcker und haben sich auch bei den Bauern in den Dörfern speziell diese Sorte besorgt. Es gibt spezielle Kelteräpfel, sie ergeben einen besonders schmackhaften, ergiebigen Apfelsaft oder Apfelwein. Dazu gehört auch, dass man sie vom Baum schütteln kann, ohne dass die Äpfel Druckstellen bekommen."
Pomologen-Verein hilft weiter
Ein wenig Nostalgie in Sachen Apfelbaum kann also zu echten Entdeckungen führen – darauf sind die Fachleute und Liebhaber alter Sorten angewiesen: "Wenn also jemand zuhause eine alte Streuobstwiese hat und überhaupt nicht einordnen kann, welche Sorten da stehen, könnte er sich mit den Menschen vom Pomologen-Verein in Verbindung setzen. Und vielleicht findet sich der eine oder andere Schatz dabei."
Quelle: www.hr-online.de |