 | © hr-online.de
| Was sind die wichtigsten Gießregeln im Sommer?
Wer in seinem Garten nicht ausschließlich Gräser, Kakteen und sonstige trockenheitsverträglichen Pflanzen hat, muss regelmäßig und vor allem richtig gießen. Wenn Sie beim Gießen Zeit und Wasser sparen möchten, sollten Sie folgende Punkte beachten:
- Die perfekte Tageszeit: Wässern sollten Sie am besten morgens zwischen 6 - 7 Uhr, wenn es draußen noch angenehm kühl ist. Dann nämlich verdunstet nur sehr wenig Gießwasser und die Pflanzen sind den ganzen Tag über optimal mit Flüssigkeit versorgt und lassen weder Blätter noch Köpfe hängen. Gießt man den Garten dagegen erst am Abend, kann es sein, dass so manche "Dauerdurstpflanze" spätestens am Nachmittag schlapp macht.
- Die perfekte Wassermenge: Wenn Sie gießen, sollten Sie in diesem Moment mit dem Wasser nicht zu sparsam umgehen. Kübelpflanzen und Töpfe sollten Sie so lange gießen, bis das überschüssige Wasser aus den Ablauflöchern am Topfboden nach Außen tritt. Gießen Sie außerdem sehr langsam und mit einem sanften Strahl, damit sich die Erde optimal mit Wasser vollsaugen kann, so werden die Wurzeln besser und länger mit Wasser versorgt. Denn 10 Liter (eine große Gießkanne) auf den Quadratmeter dringen gerade mal ca.10 cm in den Boden. Als Faustregel gilt für den Garten: 30 Liter Wasser pro qm oder mehr. Viele Pflanzen zeigen Wassermangel durch eingerollte Blätter und herabhängende Triebspitzen an, soweit sollte es man aber nicht kommen lassen.
- Die perfekte Pflanzenerziehung: Sehr praktisch ist auch, dass man die meisten Pflanzen im Garten und auf dem Balkon auch dazu "erziehen" kann, dass sie weniger oft frisches Wasser brauchen. Und zwar indem Sie erst kurz vor dem Zeitpunkt gießen, bevor die Pflanzen beginnen vor "Durst" ihre Blätter hängen zu lassen. Dadurch werden Blumen und Sträucher nämlich gezwungen ihre Wurzeln besser auszubilden und regelrecht nach Wasser "auszustrecken". Pflanzen mit gut ausgebildeten und "fleißigen" Wurzeln benötigen dann nämlich auch an heißen Tagen deutlich weniger oft Wasser.
Wie gießt man am besten?
Gießen in Raten!
Sprenkeln Sie anfangs nur einen Teil des Wassers über das Beet. Wenn das Wasser in die oberste Erdschicht eingedrungen ist, wässern Sie erneut. So kann das Wasser leichter in die Erde eindringen.
Sanft gießen!
Zielen Sie beim Gießen mit dem Gartenschlauch nie direkt auf die Pflanzen. Der harte Strahl legt die Wurzeln frei oder schadet den Ästen. Halten Sie den Schlauch schräg nach oben. Achten Sie darauf, dass das Gießwasser möglichst einem leichten Landregen ähneln soll. Das Wasser fällt in einem großen Bogen auf das Beet.
Tipp: Verwenden Sie am besten spezielle Gießaufsätze für den Schlauch oder die Gießkanne, die den Wasserstrahl etwas sanfter machen Balkon-Gärtner können im April mit der Bepflanzung ihrer Balkonkästen beginnen. Damit sich später eine üppige Blütenpracht entwickeln kann, sollte aber anfangs nicht zu viel gegossen werden.
Dies führt zu Staunässe und anschließendem Fäulnisbefall. Kontrollieren Sie deshalb vor dem Gießen unbedingt die Feuchtigkeit des Erdreichs. Vielleicht ist ein Gießen gar nicht notwendig.
Tipp: Balkonkästen, Töpfe und Gefäße sollten daher unbedingt Überlauflöcher haben. Diese können Sie am besten mit einem elektrischen Bohrer im Nachhinein bohren. Etwas heikel ist das Bohren in Terracotta-Töpfe. Dazu verwenden Sie am besten einen Holzbohreraufsatz, dann platzt das Material nicht.
Welches Wasser sollte man zum Gießen verwenden?
Am besten für die Pflanzen ist Regenwasser. Denn es ist hat eine für die Pflanzen angenehme Temperatur und ein sanfter Regenguss kann die Erde am besten aufnehmen und so lange speichern. Daher im Garten immer so viel Regenwasser wie möglich versuchen aufzufangen, am besten mit einer Regentonne. Das spart nicht nur Wasserkosten, es ist für Ihre Pflanzen auch am besten. Wer keine Regentonne hat, sollte abgestandenes Leitungswasser verwenden, auch das mögen die Pflanzen besonders gerne.
Gießen kann man aber auch mit Leitungswasser, das jedoch nicht eiskalt sein sollte.
Wichtig ist auch, dass der sogenannte pH-Wert des Gießwassers stimmt. Insbesondere Sumpfpflanzen benötigen ein stark saures Milieu zum guten Gedeihen und die meisten anderen Pflanzen ein schwach saures Milieu zwischen pH-Wert 5,5 und 6,5. Man kann davon ausgehen, dass das Pflanzsubstrat beim Kauf einer Pflanze den Bedürfnissen der jeweiligen Pflanze entspricht und dementsprechend fast immer leicht sauer reagiert. Leitungswasser ist aus verschiedenen Gründen aber leicht alkalisch und erhöht damit langsam aber sicher den pH-Wert des Substrats. Sofern man über weiches Wasser verfügt, kann man dieses wegen der geringen Salzmenge bedenkenlos verwenden; es verändert den pH-Wert des Substrats nur sehr unwesentlich. Hartes Wasser enthält hingegen vergleichsweise viele Salze und führt recht schnell zu einem zu hohen pH-Wert des Substrats.
Wenn Ihre Pflanze trotz gleichbleibender Kulturbedingungen nach längerer Zeit plötzlich gelbe Blätter bekommt oder sonstwie kümmert, könnte es daran liegen, dass der pH-Wert des Substrats zu hoch geworden ist. Denn dann können viele Nährstoffe nicht mehr in ausreichender Menge aufgenommen werden. Auch Eisen, das für die Grünfärbung der Blätter verantwortlich ist, fällt hierunter.
Tipp: Statt Eisendünger zuzugeben, sollten Sie besser versuchen, den pH-Wert in den günstigen Bereich zurückzubringen. Denn wirklicher Eisenmangel ist selten. Umtopfen ist hier die einfachste und gefahrloseste Möglichkeit. Es geht aber auch mit einen Schuss Essig im Gießwasser.
Was kann man tun, um häufiges Gießen zu vermeiden?
Um das Problem mit der Bewässerung noch weiter zu vereinfachen, kann man die Wasseraufnahme des Bodens durch Bodenverbesserung erhöhen. Durch Mulchen des Bodens lässt sich die Verdunstung reduzieren. Mulchen können Sie z. B. mit Rindenmulch, Kieselsteinen, Granitsplit oder Muschelsplit. Hier können Sie nach Optik und Geschmack entscheiden, alle Pflanzen vertragen grundsätzlich alle Mulcharten. Bei Rindenmulch sollten sie nur beachten, dass er nach ca. 2 - 4 Jahren verrottet ist und erneuert werden muss. Grundsätzlich gilt: je gröber und größer der Mulch, desto besser, denn er muss weniger oft erneuert werden.
Ist Mulchen nicht möglich, sollte man das Beet regelmäßig durchhacken um die Kapillarwirkung des Bodens (d. h.: Aufsteigen der Feuchtigkeit nach oben) zu unterbrechen. Mit diesen einfachen Maßnahmen kann man das Gießen deutlich reduzieren. Denn so werden die Kapilare in der Erde, die für die Belüftung zuständig sind, zerstört. Damit verdunstet gespeichertes Wasser schwerer, und man muss weniger häufig gießen.
Tipp: Hacken Sie die Erde so oft wie möglich locker, am besten nach jedem festen Regenguss, mindestens jedoch alle vier Wochen.
Welche Pflanzen brauchen wie viel Wasser?
Sehr durstige Pflanzen
Grundsätzlich gilt: Alle frisch gepflanzten Blumen, Keimlinge und junge frisch gepflanzte Gewächse müssen 1 - 2 Wochen lang täglich gegossen werden. Nur so können sich die Wurzeln auch weiterentwickeln. Besonders durstige Pflanzen sind z. B. Engelstrompete und Fuchsie:
Fuchsie (Fuchsia) (Blütezeit: Mai - Oktober)
Je nach Art verziert die Fuchsie Ihren Balkon als 20 cm bis 40 cm und sogar bis zu 2 m hoher, buschig aufrechter, halb hängender oder hängender Strauch. Die Blüten - einfache oder gefüllte trichterartige Glöckchen in weiß, rot, rosa, blauviolett oder zweifarbig - können einen Durchmesser von bis zu 10 cm erreichen. Die großen Blätter sind je nach Sorte sattgrün, weißbunt oder golden getönt. Dieses Nachtkerzengewächs stammt aus Südamerika und ist der "Tropenfan" unter den Pflanzen. Die Fuchsie benötigt viel Wasser, die Erde sollte stets leicht feucht sein und nicht austrocknen. Die Pflanze liebt die feuchtwarme Luft, bei Wassermangel lässt sie ihre Blüten gnadenlos fallen. Im Frühjahr und im Herbst blüht sie besonders reichlich, da ihr der Hochsommer schon fast ein wenig zu warm ist. Ein- bis zweimal pro Woche sollten Sie Ihrem Strauch einen Blütendünger gönnen.
Preis für eine 50 cm hohe Pflanze: ca. 10 €.
Weniger durstige Pflanzen
Pflanzen, die ursprünglich aus dem mediterranen Raum kommen, sind genügsame Pflanzen, die nicht so viel Wasser benötigen. Sie vertragen ohne weiteres auch einige trockene Tage.
Tipp: Mediterrane Pflanzen aus deutschen Gewächshäusern müssen jedoch erst wieder zu "echten Italienern oder Spaniern" umerzogen werden. Denn wenn sie frisch aus dem Gewächshaus kommen, sind sie in der Regel auf Wachstum getrimmt worden und haben schlecht ausgebildete Wurzeln. Daher die Pflanzen am besten erst nach und nach an weniger Wasser gewöhnen. Bis die Wurzeln ausgebildet sind, täglich gießen. Dann nur alle zwei Tage (über 2 - 3 Wochen), an heißen Tagen genügt 1 - 2 mal pro Woche.
Geranien/ Pelargonien (Pelargonium)
Neben weiß, rot und violett erhalten Sie im Handel mittlerweile unzählige Farbvarianten dieser reich blühenden Balkonpflanzen. Die Geranie liebt die Sonne und blüht ab Mai bis in den Herbst. Diese Blütenpracht benötigt aber nur mäßig Wasser. Erst wenn die Erde trocken ist, die Pflanze durchdringend gießen. Die Erde darf auch ruhig antrocknen, das tut den Pflanzen nichts. Am besten setzen Sie die Pflanzen in Erde aus mindestens 60 % Weißtorf, denn diese Erde speichert das Wasser am besten und gibt es der Pflanze in der Menge ab, wie sie es benötigt. Lassen Sie zwischen den einzelnen Setzlingen von Stiel zu Stiel einen Abstand von 20 cm, dann haben die Wurzeln genügend Platz um sich zu entfalten, und die Pflanze wird schön kräftig. Ein- bis zweimal in der Woche sollten Sie die Geranie mit Blütendünger düngen, da sonst die Blühfreudigkeit sichtbar nachlässt. Im Dünger sollte Kalium und Stickstoff in gleicher Menge enthalten sein. Ist mehr Kalium oder Stickstoff enthalten, kann es sein, dass die Pflanze zu schnell wächst und die Triebe zu dünn sind und abbrechen.
Tipp: Verblühte Blütenstände regelmäßig entfernen, so kann sich neue Blütenpracht am schnellsten wieder entfalten. Wichtig: Die Blütenstängel bis zur Basis ausbrechen. Am besten geht das mit den Händen. Stets vor dem Gießen alte Blüten abknipsen, so vermeiden Sie Pilz- und Fäulnisbildung.
Preis: ca. 0,25 - 2 €. Der Preis ist sorten-, größen- und verpackungsabhängig. Übrigens: In dünner Folie angebotene Standardsorten sind genauso gut, aber deutlich billiger als spezielle Sorten im Einzeltopf.
Tipp: Im Handel werden übrigens auch Duftgeranien angeboten. Sie riechen nicht nur nach Zitrone, sondern schmecken auch danach. Damit können Sie z. B. mediterrane Sommersalate lecker verfeinern. Der Preis: ab ca. 1,99 €.
Pflanzen, die nie gegossen werden müssen
In der Regel müssen alle Sträucher, Hecken und Bäume in Gärten (gilt nicht für Balkone und Terrassen!) nicht gegossen werden. Denn sie haben tiefe Wurzeln, mit denen sie sich auch an trockenen Tagen das Wasser tief aus der Erde holen.
Ausnahme: Ist der Sommer extrem heiß und regnet es 4 - 6 Wochen nicht, sollten Sie ausnahmsweise auch Bäume, Sträucher und Hecken kräftig gießen.
Wie viel Wasser benötigen Kräuter?
Kräuter aus dem mediterranen Raum lieben es richtig sonnig. Ideal ist ein südseitiger Beetplatz vor einer Natursteinmauer, die vor Wind und Kälte schützt und zusätzlich Wärme abgibt. Die Erde sollte wasserdurchlässig sein. Mischen Sie dazu die Gartenerde 1:1 mit Sand. Ganz wichtig: Sparsam gießen! Warten Sie, bis die Erde nahezu ausgetrocknet ist. Im Sommer genügt es, einmal pro Woche zu gießen. Außerdem können Südkräuter auch Schädlinge vertreiben. Lavendel schützt benachbarte Rosen vor Blattläusen, Salbei vertreibt Kohlweißlinge im Gemüsebeet.
Kräuter, wie Rosmarin (Erntezeit: März - Oktober), Thymian (Erntezeit: April - Oktober) und Salbei (Erntezeit: ganzjährig), sind eigentlich in südlichen Ländern wie Spanien und Italien zu Hause und wachsen dort sogar wild am Straßenrand. Sie sind anspruchslos und benötigen nur mäßig Wasser, d. h. die Erde darf ruhig richtig trocken werden, denn das macht den Kräutern nichts aus. Pflanzen aus dem südlichen Raum sind Sonnenanbeter, sie wollen auf der Südseite stehen und benötigen eine andere Erde. Am besten ist ein lehmhaltiger Boden oder Blumenerde mit etwas Hydrokultur und Styroporkügelchen gemischt. Das schützt vor Staunässe.
Preis: ab 2 € aufwärts.
Tipp: Mediterrane Kräuter eignen sich durch ihren intensiven Geruch wunderbar zur Schädlingsbekämpfung und schrecken lästige Insekten auf ganz natürliche Weise ab.
Heimische Kräuter (wie z. B. Dill, Schnittlauch, Petersilie) mögen keine pralle Sonne, sondern lieben es halbschattig. Die Erde immer gleichmäßig feucht halten, sonst lassen die Kräuter schnell die Blätter hängen, trocknen aus, werden gelb und sind nicht mehr genießbar. Bei Schnittlauch immer die Blütenknospen abknipsen, damit die Halme nicht gelb werden. Petersilie und Schnittlauch immer einige Meter von den Salatbeeten entfernt pflanzen, da der Salat sonst nicht wächst.
Welche Blumentöpfe und Kübel halten die Erde am besten feucht?
Pflanzen aus dem mediterranen Raum sehen besonders dekorativ in Terrakotta-Gefäßen aus. Gleiches gilt für hohe Gewächse wie Oleander, Engelstrompete oder Margerite. Zudem schützt ein großer Kübel den Wurzelballen im Sommer vor zu schnellem Austrocknen und im Winter vor Frost. Außerdem kippt ein schwerer Terrakotta-Topf bei heftigem Wind nicht so leicht um. Nachteil: Terrakotta kann im Sommer glühend heiß werden. Deshalb sollten Sie zusätzlich kleine Vierkanthölzer unter die Kübel legen - so verhindern Sie, dass sich die Wärme im Sommer unter dem Topf staut und die Wurzeln verbrennen.
Vorsicht bei glasierten Töpfen: Hier staut sich schnell die Nässe, weil die Pflanze nicht mehr "atmen" kann. Das vertragen empfindliche Gewächse, wie etwa ein Zitrusbäumchen, überhaupt nicht.
Soll die Pflanze draußen überwintern, unbedingt einen frostsicheren Kübel (bis mindestens -20° C) kaufen. Entsprechende Hinweise befinden sich in der Regel auf den Gefäßen. Preis: Einfacher Terrakotta-Topf mit ca. 37 cm: ab ca. 5,99 €.
Günstiger sind Pflanzenkübel aus Kunststoff (Preis: ab ca. 2,99 € für 37 cm), die es mittlerweile auch als Terrakotta-Imitation im Handel gibt. Sie eignen sich für Pflanzen mit einem schattigen Standort, die es gerne feucht mögen, etwa "Waldrandkräuter" wie Petersilie, Schnittlauch oder Dill. Beim Kauf eines Kunststoff-Topfes sollten Sie darauf achten, dass der Boden mit erhöhten Abzugslöchern versehen ist, damit sich das Gefäß nicht am Boden festsaugen und überschüssiges Gieß- oder Regenwasser ablaufen kann. Oder Sie verwenden entsprechende Untersetzer. Wählen Sie am besten hellbraune oder grüne Kübel, schwarze oder dunkelbraune Gefäße werden im Sommer glühend heiß, die Wurzeln könnten verbrennen. Achtung: Wenn Sie Ihre Plastik-Kübel auf Asphalt oder Steinplatten stellen, sollten Sie, wie bei den Terrakotta-Töpfen, die Pflanze vor der Bodenhitze schützen und Vierkanthölzer unterlegen.
Fazit: Ob Kunststoff oder Terrakotta - beide Materialien sind gleich gut. Terrakotta allerdings ist wesentlich teurer und schwerer zu transportieren, kann aber nicht so schnell umkippen.
Praktisch für den Balkon sind Kästen aus Plastik mit integriertem Wasserspeicher. Die Feuchtigkeit wird automatisch dosiert und an die Erde abgegeben. Dank "Vorratstank" müssen Sie im Hochsommer nicht mehr täglich, sondern nur noch alle drei Tage gießen. Allerdings hat diese Bequemlichkeit auch ihren. Preis: ca. 5,99 € - 8,99 € pro Topf.
Quelle: www.hr-online.de |