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Manfred Tisal - Der Billigflop
| M......, kost fast nix“, oder „nur geschenkt ist billiger“, oder „Rabatte bis zu 80%“ und viele Lockangebote mehr sollen die Konsumenten fast magnetisch in die Warenhäuser ziehen. Fast möchte man meinen, da hätte jemand zuviel und möchte etwas davon verschenken. Erst einmal drin, kommt man drauf, daß alles was man braucht, gleich viel kostet wie immer. Freilich sind 1.000 Euro, wenn man als Grundlage 1 Million annimmt fast nix. Und alles was geschenkt ist, ist von Haus aus billiger. Also nur eine raffinierte Wortspielerei um anzulocken. | ||
Und das mit den 80% Minus ist auch leicht erklärt. Einige Ladenhüter werden in der Tiefstpreisschwemme in Wühlkartons verscherbelt, weil der Ankauf eine Fehlinvestition war oder der Ramsch aus der Konkursmasse eines desolaten Anbieters stammt. Alles andere kostet gleich viel wie immer. Hauptsache ist, der Kunde ist im Haus und nimmt irgendwas mit. Denn wenn man schon da ist, kauft man halt. G´schmackig wird einem ja das Einkaufen gemacht. Das im raffinierten Lichtspiel gleisende Aktionsglas um einen Euro entpuppt sich zu Hause als das, was es wirklich ist. Ein stinknormaler Glasbehälter für was auch immer. Man weiß mittlerweile, dass in erster Linie das Auge und erst dann die Vernunft kauft. Und Hand auf`s Herz. Was braucht man wirklich? Oder haben Sie sich nicht schon darüber geärgert, daß ein Kleidungsstück für das Sie viel Geld bezahlt haben, auf einmal unter dem Deckmäntelchen „Schlußverkauf“ um ein etliches billiger angeboten wurde? Keine Angst. Der Geschäftsmann geht nicht zugrunde. Wenn eine Ware irgendwann, aus welchem Grund auch immer, einmal billiger angeboten wird, macht das nur erkenntlich, wieviel der Verkäufer eigentlich daran verdient. Denn zum Verschenken hat niemand etwas. Nehmen wir einmal Perserteppiche her. 10.000 Euro sind bei einer handgeknüpften hervorragenden Qualitätsware keine Seltenheit. Wenn man aber weiß, das eine ganze Familie im Ursprungsland des Teppichs für ein wunderschönes Jahreswerk oft nicht mehr als 500 bis 1000 Euro bekommt, dann kann einem der Händler wirklich leid tun. Seinen 500er Mercedes stellt er wohlweislich hinterm Laden ab, den Riesensolitär den er sonst am kleinen Finger trägt, streift er ab, wenn er im Laden steht und über den handgeknüpften 500 Euro Fußabstreifer vor seiner Wohnung spricht er nicht. Ich für meinen Teil gehe immer davon aus, daß ein Produkt um 100 Euro bei 80%iger Preisverminderung vorher mindestens 500 Euro gekostet haben muß. Und das wäre meiner Ansicht nach in jedem Fall totaler Wucher, und hätte vor der sogenannten Aktion eine Händlerspanne von 400 Euro vorausgesetzt. Und was die sogenannten Schlußverkäufe anbelangt, stelle ich mir ja schon seit langem die Frage wo das Ende aller Schlüsse ist. Zum Sommer- und Winterschluß wird sich sicherlich bald schon ein Frühlings-, Herbst-, Semester-, Weihnachts- oder Osterschlußverkauf gesellen. Tageweise könnte ich mir noch einen Empfängnis-, Krampus-, Josef-, Himmelfahrts- oder Muttertagsschlußverkauf vorstellen. Besser noch wären ganzjährig faire Preise und ein neuer Anfang was die Schlüsse anbelangt. Oder? Manfred Tisal |
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