Is jo wohr -

Über sieben Steine muss es fließen
 

Betrachtet man die Inhaltsstoffe reinen Quellwassers welche sich Kalium, Natrium, Magnesium, Calcium, Fluorid, Chlorid, Sulfat, Hydrogencarbonat, Kieselsäure und diverse Spurenelemente nennen, erinnert dieses Sammelsurium zunächst an eine chemische Fabrik. Tatsächlich handelt es sich jedoch um reines klares Wasser, das jeder noch so strengen Prüfung standhält, es sei denn die Verhältnisse der einzelnen Inhaltsstoffe stehen im Mißverhältnis zum Grundelement H2O, sprich Wasser.


Wie alles im Leben ist auch Wasser kontrollierten oder unkontrollierten Veränderungen unterworfen. Die Bundesanstalt für chemische, pharmazeutische und balneologische Untersuchungen weiß Lieder davon zu singen, ohne Smetanas Erkenntnisse die Moldau  oder Schuberts Kenntnisse die Forelle betreffend, bei den Untersuchungen berücksichtigen zu müssen. Verfolgen wir doch einmal den Lauf einer Oberkärntner Quelle ohne den Namen des Wasserlaufes zu nennen. Im Grunde genommen ist es egal um welches Bächlein oder Flüßchen es sich handelt, denn jedes Wasser ereilt früher oder später das gleiche Schicksal. Kaum dem Fels oder dem Boden entsprungen, erkennt das Wasser nachdem es sich einige hundert Meter durch die Landschaft geschlängelt hat bereits den Sinn des Sprichwortes „alles Leben ist Chemie“.

Hat das Wasser Glück und passiert eine Weide, dann kommt es erstmals mit Ammoniak in Berührung. Das Kühe auch mal müssen, ist ja wohl selbstverständlich. Und außerdem ist Ammoniak längst nicht das, was einen Kilometer weiter Zeolith, Citrat oder Polycarboxylat sind. Stoffe die das Wasser und alles was damit in Berührung kommt weich machen. Carbonate und Silikate folgen, Reste von Enzymen, Aufhellern und Stabilisatoren. Alles Unsichtbar, unriechbar und unbemerkbar versteht sich. Und von allem nur eine mikroskopische Kleinigkeit. Denn noch sind es wenige Häuser, Landwirtschaften und kleine Betriebe die das Wasser an seinem Lauf säumen. Schlimmer wird`s dann schon, wenn Natriumpercarbonat und Natriumalkylbenzolsulfonat den einen Teil Wasserstoff und die zwei Teile Sauerstoff bereichern.
Immer noch ein Klax und angesichts der Wassermenge überhaupt nicht merkbar. Selbst die kationischen Tenside, Phenoxiethanol, Tocopheryl, Isononanoate, Magnesium und Zinksulfate können dem Wasser in dieser Menge nichts mehr anhaben. Drei Kilometer weiter dann etwas Glycol, einige Spürchen Octydodecanol und ein paar Benzophenonteilchen. Vielleicht auch ein Ölteppichlein in Vorlegergröße.

Na ja, es fällt noch immer nicht auf und was man nicht sieht, weigert man sich zu bekämpfen. Aber wehe ein Stück Papier, ein menschliches Exkrement oder gar eine Orangenschale trübt das kühle Naß, bevor es sich noch immer optisch rein in den Fluß wälzt, der es zu einem unbedeutende Tröpfchen erniedrigt und dem salzigen Moloch Meer entgegenträgt. Viele Gedanken kommen einem bei Betrachtung der Untersuchungsergebnisse bei den diversen Flußlaufkilometern.

Und trotzdem ist man versucht zu glauben, daß unser Wasser trotzdem das Beste und Kostbarste ist, was Kärntens Boden hervorzubringen vermag. Glaubt man den nüchternen Worten eines ebenso nüchternen Chemikers, für den selbst Wein reinste Chemie ist, dann rinnt Wasser in zahlreichen europäischen Ländern, bevor es von den Menschen getrunken wird eher durch sieben Kläranlagen, als über sieben Steine. Gesegnet seien also die Steine über die das Wasser fließt, bevor wir es zu unser aller Wohl, wie auch immer genießen.  


Manfred Tisal




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