Die meisten Menschen schätzen den beruhigenden Duft von Lavendel oder eine Massage mit Melissenöl. Viele bestätigen den kopfschmerzlindernden Effekt von Pfefferminzöl auf den Schläfen. Ärzte empfehlen bei Hautpilzerkrankungen Bäder, denen einige Tropfen Teebaumöl zugesetzt sind. Die Rede ist von der Aromatherapie, der inzwischen immer mehr Ärzte und Wissenschaftler eine wichtige Bedeutung in der ganzheitlichen Therapie zusprechen.
Dabei ist die Aromatherapie kein neuer Zweig der alternativen Medizin und weitaus mehr als das Anzünden einer Aromalampe. Ätherische Öle verwendet man in Form von Ganz- und Teilbädern, als Kompressen und Wickel, zum Inhalieren, als Massageöl oder Medikament. Dabei spielen Reinheit und Qualität des Öls eine große Rolle.
Die lange Geschichte der Aromatherapie
Seit Jahrtausenden machen sich die Menschen die duftenden Essenzen der Pflanzen zu Nutze. Die Aromabehandlung geht auf die alten Ägypter und Griechen zurück, aber auch bei den Azteken, den Inkas und in Tibet waren Duftstoffe für die Heilung Kranker bekannt. Im Mittelalter erreichte die Aromatherapie einen Höhepunkt. Vor allem die Klöster legten Heilkräutergärten an. Im 17. Jahrhundert wurden verschiedene Aromastoffe eingesetzt um die Resistenz gegen Infektionen zu verbessern. Sogar die damaligen Krankenhäuser nutzten Düfte wie Rosmarin.
Der Phytotherapie (griech. phyton = Pflanze) verdankt die Medizin in diesem Zusammenhang auch heute noch viele Erkenntnisse, von der auch die moderne Pharmaindustrie profitiert. Neben medizinischen Indikationen werden Aromastoffe auch im Umfeld von Wellness und Kosmetik zur innerlichen und äußerlichen Anwendung verwendet. "Es gibt in vielen Bereichen eine nachweisbare Wirkung, und selbst in Kliniken wird die Aromatherapie im Rahmen der physikalischen Therapie seit Jahrzehnten eingesetzt," sagt Hanns Hatt, Professor an der Ruhruniversität Bochum.
Die uralten Wurzeln finden sich auch in diversen Aufzeichnungen des "Fernen Ostens", wo Pflanzen bereits vor 5 000 Jahren verwendet wurden. In der Neuzeit begann der Siegeszug der ätherischen Öle nach 1900 mit dem Werk des französischen Chemikers René-Maurice Gattefossé, der dieser Sparte der Pflanzenmedizin den Namen "Aromatherapie" gab. Dr. Jean Valnet entdeckte die heilende Wirkung von Pflanzenölen, als er im Zweiten Weltkrieg Verwundete behandelte.
Wie wirken ätherische Öle?
Ätherische Öle sind Duftstoffe, die in Form winziger Öltröpfchen in Pflanzenteilen (Blüten, Schalen, Früchten, Wurzeln, Blättern...) in unterschiedlicher Menge eingelagert sind. Wie der Name (ätherisch) schon sagt, sind die Öle leicht flüchtig. Je nach Wahl stimulieren natürliche ätherische Öle, wirken harmonisierend oder beruhigend. Die Wirkung der Öle hält dabei länger an als die "bewusste Wahrnehmung" durch den Geruchssinn, da dieser nach ca. 15. Minuten ermüdet. Die ätherischen Öle wirken unmittelbar auf das Gehirn und beeinflussen darüber eine Vielzahl von psychischen, emotionalen und physischen Mechanismen, von denen wir gesteuert werden, ohne uns dessen bewusst zu sein.
Die Heilwirkung der Öle hängt mit den Strategien der Pflanzen gegen Schädlinge zusammen. Die Blätter und Blüten der Pflanzen nämlich enthalten ätherische Öle zum Selbstschutz etwa gegen Bakterien oder Pilze und zum Anlocken von nützlichen Insekten. Unter anderem erforscht das "Pacific Institute of Aromatherapy" in San Francisco seit Jahren erfolgreich die Wirkung von solchen Ölen.
Es sind die in den meisten Ölen enthaltenen Monoterpene, die leicht durch Zellmembranen dringen und bereits nach wenigen Minuten im Blut nachgewiesen werden können. Sie werden beispielsweise im Vollbad durch die Haut aufgenommen und zusätzlich über die Atemwege inhaliert. Sie können jedoch auch als Kompresse, für Massagen, als Sauna-Aufguss oder in Duftlampen verwendet werden.
Einige klinische Untersuchungen belegen für ätherische Öle eine therapeutische Wirksamkeit: etwa für Eukalyptus-, Pfefferminz- oder Lavendelöl. Insgesamt ist die Zahl durchgeführter Studien jedoch klein. Professor Hatt erläutert, dass der Mangel an exakten wissenschaftlichen Daten dadurch verursacht sei, dass sich die ätherischen Öle nicht ohne weiteres vergleichen lassen, da sie Schwankungen in der chemischen Zusammensetzung unterliegen.
Qualität und Reinheit ätherischer Öle
Wem es nur auf einen besonderen Duft in der Raumluft ankommt, dem reicht wahrscheinlich eine Flasche preiswerten (und fast immer im Labor hergestellten) Öls aus dem Supermarkt. In der Aromatherapie jedoch spielt Qualität - und damit ist eine 100-prozentige Reinheit gemeint - eine entscheidende Rolle. Um die zu erreichen, sollte das Öl ganz und gar aus einer Stammpflanze gewonnen sein. Durch Destillation, Pressung oder Extraktion werden die wertvollen Aromastoffe gewonnen, mal aus der Wurzel, mal aus Rinde, Blüte oder Blatt. Alle Verfahren sind aufwändig und teuer, das erklärt auch den höhren Preis. Die synthetisch hergestellten Duplikate haben keinesfalls die Wirksamkeit der Originale – höchstens den Duft.
Zur Zeit gibt es für ätherische Öle leider noch keine zuverlässigen Qualitätskriterien. Eine gewisse Sicherheit für die Echtheit seines Öls haben Sie, wenn folgende Angaben erkennbar sind: Die Chargennummer, der lateinische und der deutsche botanische Name sollten auf der Flasche genannt sein. Herkunftsland und Angaben über kontrolliert-biologischen Anbau oder Wildanbau dürfen nicht fehlen. Synthetische, also künstliche Zusätze, sollten auf keinen Fall zugefügt sein, was besonders für Allergiker riskant sein kann. Wesentlich für die Qualität eines ätherischen Öls ist die Reinheit. Um billig anbieten zu können, wird Öl häufig verdünnt. Größte Sicherheit und damit Gewähr für Reinheit und Naturbelassenheit garantieren ätherische Markenöle aus der Apotheke oder von ausgewiesenen Fachhändlern, die auch über ein entsprechendes Fachwissen hinsichtlich der Anwendung verfügen.
Duftlampe oder Aromagerät?
Für die Verteilung der duftenden und heilenden Essenzen im Raum gibt es vielfältige Möglichkeiten. Am bekanntesten ist sicher der Gebrauch einer Duftlampe: Durch ein Teelicht wird hierbei ein Wasser-Öl-Gemisch erhitzt. Das ätherische Öl steigt mit dem Wasserdampf auf und verteilt sich im Raum. Meist reichen 3 bis 5 Tropfen des Öls und etwas Wasser aus. Auch sollten Sie die Zeit der Anwendung auf 10 bis höchstens 20 Minuten begrenzen.
Stattdessen können Sie auch ein spezielles Aromagerät verwenden. So ein Gerät ist viel einfacher zu bedienen und vor allem sicherer, denn die ätherischen Öle werden nicht erhitzt, sondern durch einen regulierbaren Luftstrom schnell und wirkungsvoll im Raum verteilt. Noch bevor man dies bewusst wahrnimmt, hat der Duft das ganze Zimmer erfüllt.
Anwendung und Wirkung ätherischer Öle
Angewendet werden ätherische Öle mittels Aromageräten oder Duftlampen vor allem für Beschwerden im Bereich der Atmungsorgane oder für eine Wirkung im psychisch-emotionalen Bereich. Natürliche ätherische Öle sind vielseitig einsetzbar, denn sie:
- steigern das Wohlbefinden, wirken z.B. schlaffördernd, stimulierend, stimmungsaufhellend
- wirken bei Erkrankung der Atemwege wie Erkältung, Schnupfen und Husten
- eignen sich als reine Duftanwendung, die die Raumatmosphäre verbessert
- wirken gegen lästige Mücken und Insekten, vor allem in den Sommermonaten
Beispiele
Orange: wirkt erfrischend und belebend, deshalb auch so wirkungsvoll gegen Gerüche; vermittelt Energie und Lebensfreude.
Lavendel: hält Mücken und andere Plagegeister fern; hilft bei Stress und Angespanntheit; stärkt das Selbstvertrauen; wirkt ausgleichend, besänftigend und stimmungshebend.
Hilfe zur Selbsthilfe
Bäder, Massagen und Inhalationen mit ätherischen Ölen sind wirksame und angenehme Formen der Selbsttherapie. Sie stärken das Immunsystem und verbessern das allgemeine Wohlbefinden. Um therapeutisch wirken zu können, müssen ätherische Öle jedoch von höchster Qualität sein: rein, unverfälscht und vorzugsweise aus der Ernte von Wild- oder Kulturpflanzen, ungedüngt mit natürlichen organischen Wuchsbedingungen, damit keine Chemikalien bei der Destillation durchschlagen können.
Aufnahme durch Nase und Haut
Das, was der Mensch als angenehm empfindet, lässt sich medizinisch erklären. Ziehen die Essenzpartikel durch die Nase ein, werden die Aromainformationen von den winzigen Flimmerhärchen jeder Riechzelle aufgenommen und ins Zentralgehirn weitergeleitet. Dort werden die elektrochemischen Botschaften an das Riechzentrum weitergesandt. Neurochemikalien werden ausgeschüttet, die entweder dämpfende, entspannende, anregende oder euphorisierende Wirkung haben. Andere Botschaften gelangen in andere Körperteile, wo die physikalischen Auswirkungen der Duftstoffe zu spüren sind.
Werden die ätherischen Öle mit einer Trägersubstanz in die Haut eingerieben, können die winzigen Moleküle des ätherischen Öls sozusagen "unter die Haut" gehen. Durch die Poren und die Haarfollikel dringen sie bis in die blutführenden Kapillaren ein. Sind sie erst einmal im Blutkreislauf angekommen, werden sie durch den ganzen Körper getragen. Auch von den Schleimhäuten werden ätherische Öle gut aufgenommen.
Praktisch und schnell
Durch Inhalieren kann eine schnelle Wirkung erzielt werden: Etwa sechs bis acht Tropfen einer Essenz oder Mischung auf ein Tuch träufeln und dreimal tief einatmen. Ebenso möglich ist es, drei bis vier Tropfen in heißes Wasser zu geben, mit einem Handtuch den Kopf über der Wasserschüssel abdecken und mehrmals tief durchatmen. Allerdings eignet sich diese Methode nicht für Asthmatiker.
Für ätherische Öl-Bäder genügen sechs bis acht Tropfen der Essenz oder Mischung. Doch aufgepasst: Zu heißes Wasser lässt die Essenz schneller als erwünscht verdunsten. Wer unter trockener Haut leidet, kann die Essenz mit zwei Teelöffel eines Trägeröls verdünnen. Die Badedauer sollte 10–20 Minuten betragen.
Drei Tropfen Öl auf ein Glas Wasser eignen sich gut für Mundspülungen und zum Gurgeln. Zur Behandlung vieler Hautprobleme und als Alternative zur Massage sind Einreibungen mit in Trägersubstanz verdünnten Essenzen empfehlenswert. Kompressen mit ätherischen Ölen lindern Schmerzen, Verstauchungen und Schwellungen. Massage wird als Transportmittel, aber auch zur Verstärkung der Heilwirkung genutzt. Ätherische Öle beleben alle Sinne, und bei regelmäßiger Anwendung können sie die Lebensfreude erheblich steigern.
Tipps
- Ätherische Öle sind Konzentrate und sollten niemals unverdünnt benutzt werden, da sie sonst Augen und Schleimhäute reizen können.
- Öle sollten lichtgeschützt, kühl und für Kinder unzugänglich aufbewahrt werden.
- In der Duftlampe verwendet, darf das Wasser-Öl-Gemisch niemals heiß werden. Das ätherische Öl soll langsam verdunsten und keinesfalls verdampfen. Wenn nach etwa 15 Minuten das Gefühl eintritt, die Duftintensität würde nachlassen, ist das meist nur eine Täuschung.
- Baden in ätherischen Ölen ist eine der schönsten Anwendungen der Aromatherapie. Da sich Öle nicht mit Wasser vermischen lassen, kann ein hautschonendes Sahnebad selbst zubereitet werden: 5 bis 10 Tropfen ätherisches Öl in 2 bis 3 Esslöffel Sahne verrühren und ins Badewasser geben. Der natürliche Emulgator Sahne dient dabei gleichzeitig als Rückfetter und verhindert das Austrocknen der Haut.
- Für die Massage können hochwertige fette Öle mit ätherischen Ölen angereichert werden. Als Trägeröle eignen sich vor allem unraffinierte, Kaltgepresste Öle wie z.B. Mandelöl, Haselnussöl, Jojobaöl, Weizenkeimöl, Johanniskrautöl oder Aloeöl.
Quelle: www.gesundheit.de |