 | (c) pensionist.at
|
Reisen in den Süden sind, entsprechende Vorbereitungen vorausgesetzt, spannende und/oder entspannende Unternehmungen, die Sie mit einer Vielzahl an Erlebnissen wieder nach Hause zurückkehren lassen. Auch für ältere Semester oder chronisch Kranke sind die allermeisten Plätze bereisbar.
Um die Übersicht zu bewahren, ist grundsätzlich eine Einteilung der Vorbereitung bezüglich bereits bestehender Erkrankungen und der besonderen vorherrschenden Verhältnisse am Bestimmungsort sinnvoll. Das alles sollte in ausreichendem, zeitlichen Abstand zum Abreisedatum geschehen.
Also nehmen wir uns erstmal der schon vorbestehenden medizinischen Probleme an. Bevor Sie eine längere Reise antreten, ist ein Besuch beim Hausarzt natürlich absolut empfehlenswert. Besorgen Sie sich eine aktuelle Liste mit Ihren Medikamenten, eventuell auch ein Statement Ihres Arztes, dass Sie diese benötigen (aufgrund der Einreise- bzw. Zollbestimmungen gewisser Länder kann unter Umständen ein solches notwendig sein) und decken Sie sich mit ausreichender Menge für die Zeit ihres Aufenthaltes ein.
Diabetiker, die sich selbst Insulin verabfolgen, müssen besonderes Augenmerk auf die Zeitverschiebung, die bei Reisen von Ost nach West oder West nach Ost auftritt, legen. Als Faustregel gilt: bei Reisen westwärts wird der Tag länger und es wird theoretisch mehr Insulin benötigt, abhängig vom Blutzuckerspiegel, während bei Reisen ostwärts der Tag kürzer wird und daher weniger Insulin benötigt wird, was eventuell auch bei der Basalinsulindosis berücksichtigt werden sollte. Diabetiker, die Tabletten einnehmen müssen, haben es hier etwas einfacher, da Sie Reisen durch die Zeitzonen meist ohne Anpassungen vornehmen zu müssen tolerieren. Was sollte ein Diabetiker also unbedingt im Reisegepäck haben? Unentbehrlich sind das Blutzuckerspiegelmessgerät, genügend Lanzetten und Test-strips, das Verabfolgungsequipment incl. genügend Nadeln und Insulin (für den Flug ausreichende Menge im Handgepäck nicht vergessen!), Identifikationskarte oder –halskette sowie eine Kohlehydratquelle im Falle einer Überdosierung (Schokoladeriegel). Insulin kann bei weniger als 30 Grad Celsius über ein Monat lang gelagert werden. Die allerwichtigste Regel ist jedoch: auf keinen Fall überdosieren – ein temporär höherer Blutzuckerspiegel wird besser toleriert als die gefährliche Unterzuckerung!
Nun zu den Patienten mit Herz-/Kreislauf- sowie Lungenerkrankungen. Um viele Missverständnisse gleich zu Beginn auszuräumen, es besteht bei neueren Geräten kein Risiko bezüglich der Interaktion eines implantierten Schrittmachers mit den Sicherheitskontrollgeräten auf Flughäfen. Für Personen mit einem Schrittmacher- und oder Cardioverter Implantant gilt nur ein gering erhöhtes Risiko für Reisen.
Für Personen mit einem Grad der Herzinsuffizienz (Herzschwäche) von III oder IV kann die Mitnahme von Sauerstoff an Bord eines Flugzeuges notwendig sein. Dahingehend wird bei Bedarf die frühe Kontaktaufnahme mit der Fluglinie angeraten. Gut eingestellter Bluthochdruck gilt als unproblematisch – auch hier wiederum darauf achten, dass ausreichend Medikamente für die Dauer der Reise vorhanden sind. Eine stabile Angina pectoris (Brustengegefühl) stellt kein Problem für eine Fernreise dar, nicht so eine instabile Angina pectoris (variable, nicht medikamentös kontrollierbare Beschwerdestärke). Von Reisen innerhalb von mindestens drei Wochen nach einem Herzinfarkt wird generell abgeraten. Allgemein lässt sich sagen, dass die Rückkehr zu den normalen, täglichen Aktivitäten auch als der Zeitpunkt gelten kann, an dem auch eine eventuelle Reisetätigkeit wieder aufgenommen werden kann. Dabei ist noch zu erwähnen, dass auch das Setzen eines Stents (Ballondehnung und Einsetzen eines Metallgitters in das Gefäß) kein erhöhtes Risiko fürs Reisen darstellt. Nach herzchirurgischen Eingriffen gilt eine Wartefrist bis zur vollständigen Erholung. Eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung, Mukoviszidose, Asthma sowie auch alle anderen Affektionen der Lunge bedürfen der Kontrolle durch den Arzt vor Reiseantritt, nicht zuletzt um festzustellen, ob Sauerstoff für die Reise notwendig sein wird. Generell lassen sich über Flugreisen folgende Eigenschaften, die für Patienten, die an Herz-/Kreislauf- oder Lungenerkrankungen leiden wichtig sein könnten, zusammenfassen:
• die Druckverhältnisse im Flugzeug entsprechen in etwa jenen in einer Höhe von 1500 – 2500 Metern
• Risiko der Sauerstoffunterversorgung für Personen mit Herz-/Lungenerkrankungen
• Ausdehnung der Luft aufgrund des geringeren Atmosphärendrucks (Ohrenschmerzen bei Erkältung, Schmerzen bei Entzündungen der Nebenhöhlen, usw… )
• geringe Luftfeuchtigkeit (nur etwa 10-20%) und daher höhere Wahrscheinlichkeit trockener Schleimhäute oder einer generellen Unterversorgung des Körpers mit Wasser
• Immobilisation (Stillsitzen auf den Plätzen) – Gefahr venöser Thrombosen
• Umluft – erhöht die Ansteckungsgefahr
Die TVT, also die tiefe Venenthrombose sollte besondere Beachtung bei Personen mit Risikofaktoren welche eine Distanz von mehr als 5000 km oder eine Flugdauer länger als 8 Stunden zurücklegen. Faktoren, die deren Entstehung begünstigen, sind, wie schon zuvor erwähnt die lange Periode der körperlichen Inaktivität (Sitzen), das „Dickerwerden“ des Blutes bedingt durch die Austrocknung des Körpers, sowie die milde Sauerstoffunterversorgung, die durch verschiedene Mechanismen ebenfalls die Gerinnungsfähigkeit des Blutes erhöht. Vorbeugen lässt sich mit dem Anlegen von Kompressionsstrümpfen (Klasse II), regelmäßigen, kurzen Spaziergängen in der Kabine, isometrischen Übungen, ausreichender Trinkmenge und für Patienten mit höherem Risiko auch durch die Verabreichung einer Spritze, die die Neigung des Blutes, Gerinnsel zu bilden, verringert. Auch hier empfiehlt sich natürlich die Rücksprache mit dem Arzt ihres Vertrauens.
Selbstverständlich besteht auch für Nierenersatztherapie – pflichtige (dialysepflichtige) die Möglichkeit, Fernreisen antreten zu können. Abgesehen von der genauen Erhebung des aktuellen Zustandes, damit auch eventuelle Begleiterkrankungen bei der Planung mit ins Kalkül gezogen werden können, wird Ihnen Ihr Arzt genaue Informationen bezüglich der Einstellungen der Dialysemaschine und Ihrer Werte bei der Durchführung der Blutwäsche aushändigen, die Sie dann dem Dialyseinstitut am Zielort aushändigen können, sofern die elektronische Übermittlung aus diversen Gründen nicht möglich ist. Auch hier möglichst früh mit den Vorbereitungen beginnen!
Der Medikamentenkauf im Ausland
Von vielen Seiten hört man, dass Medikamente im Ausland, natürlich vor allem in den Ländern der dritten Welt, um einen Bruchteil des heimischen Preises verkauft werden. Nun möchte ich grundsätzlich davon abraten, als nicht professionell im pharmazeutischen oder medizinischen Bereich tätige Person, Pharmazeutika im Ausland zu erwerben – natürlich ausgenommen des Erwerbes von Medikamenten, für die man ein Rezept besitzt und die in einer Apotheke, im besten Fall in einer Krankenhausapotheke nach vorheriger Kontrolle und eventuellen Übersetzung des Rezepts durch einen Arzt. Meistens werden die Kaufempfehlungen aber ohnehin nicht für verschreibungspflichtige Produkte ausgesprochen, sondern betreffen Medikamente zur Prophylaxe von Infektionserkrankungen in tropischen Ländern. Viele dieser Therapeutika oder Impfungen sollten jedoch schon vor der Abreise eingenommen bzw. verabfolgt werden, einerseits um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig erkennen zu können und dann auf ein anderes Medikament zurückgreifen zu können und andererseits um dem Körper die benötigte Zeit zu geben, den Schutz vor der Infektionskrankheit aufbauen zu können. Für die Einreise in Länder, die eine Gelbfieberimpfung vorschreiben muss diese in jedem Fall vor der Abreise erfolgen. Im Zweifelsfall halten Sie Rücksprache mit Ihrem Hausarzt, den Sie ohnehin aufgrund aktueller Impf- und Vorbeugeempfehlungen frühzeitig kontaktieren sollten.
Malaria
Die unter den Tropenerkrankungen sicher berühmteste und berüchtigste Erkrankung stellt heutzutage wohl die Malaria dar. Obwohl auch viele andere Erreger für fieberhafte Erkrankungen in den Tropen verantwortlich sein können, ist sie, vergleicht man alle Infektionskrankheiten untereinander, immer noch die häufigste Ursache von Todesfällen. Laut eines Berichtes der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeichnet sie, bei einer durchschnittlichen Sterbensrate von 55 Millionen Menschen/Jahr dzt. für den Tod von 2,5 Millionen Menschen jährlich verantwortlich. Malaria wird von Mosquitos (Stechmücken) der Gattung Anopheles übertragen. In Europa trat die Erkrankung seit der großflächigen Trockenlegung von Sumpfgebieten Anfang des 19. Jahrhunderts nicht mehr gehäuft auf. Unlängst wurde ein neuer Erreger der Malaria entdeckt, was deren Anzahl auf fünf erhöht. Malaria ist eine parasitäre Erkrankung. Die Erreger durchwandern verschiedene Entwicklungszyklen im Menschen und in den Mosquitos. Es existieren gefährliche und weniger gefährliche Arten der Malaria. Hauptmerkmal der gefährlichen Arten der Erkrankung sind verschiendenste Begleitsymptome. Das Spektrum reicht vom akuten Nierenversagen bis zu Symptomen, die einem Schlaganfall stark ähneln. Früh genug behandelt ist jedoch die Chance einer Heilung ohne bleibende Schäden sehr hoch. Impfung existiert bis dato noch keine, da der Erreger sich als sehr wandelbar und vielseitig erweist. Man kann jedoch vorbeugen und das auf mehrere Arten. Zum einen kann man vermeiden, von Mosquitos überhaupt gestochen zu werden. Dies erreicht man am besten durch das Tragen langer Kleidung. Bei hohen Temperaturen ist das nicht immer angenehm, jedoch bevorzugen die Insekten eine Blutmahlzeit bei Dämmerung oder in der Nacht – da sollte dies sehr wohl möglich sein. Die Anwendung eines Insektensprays erweist sich ebenfalls als äußerst wirksam, muß jedoch in gewissen Abständen wiederholt werden. Auch kann die eigene Behausung mit diversen Insektensprays oder Räucherspiralen stechmückenfrei gehalten werden. Diese drei Maßnahmen können und sollen generell zur Vorbeugung von durch Mosquitos übertragbaren Krankheiten verwendet werden – sie bergen keinerlei Risiko für Nebenwirkungen. Es besteht außerdem die Möglichkeit, medikamentös, d.h. durch Chemoprophylaxe vorzubeugen. Auch hier stehen verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl, die sich einerseits an dem Patienten orientieren (die Anwendbarkeit mancher Medikamente ist bei verschiedenen Patientengruppen nicht möglich) und andererseits an der Resistenzlage der Erreger, welche ortsabhängig variiert. In Anbetracht der nicht nur räumlichen, sondern auch zeitlichen Änderung der Resistenzlage ist auch dabei zu beachten, möglichst frühzeitig den Spezialisten bezüglich Verträglichkeit der Medikamente bzw. Empfehlungen der Anwendung zu konsultieren.
Tollwut
Auch wenn man in unseren Breiten nur noch vereinzelt von Tollwutfällen hört und diese Erkrankung dann glücklicherweise ausschließlich in Tieren wirklich zum Ausbruch kommt, ist in den Ländern der dritten Welt die Übertragung auf den Menschen leider durchaus keine Seltenheit. Tragischerweise gibt es nach dem Ausbruch der Erkrankung keinerlei Möglichkeit einer Therapie mehr und der Patient stirbt einen äußerst qualvollen Tod. Die Übertragung erfolgt durch den Biss eines mit Tollwut infizierten Tieres und in Einzelfällen auch durch die Luft (in stark durch Fledermauskot verschmutzen Höhlen). Die Zeit vom Biss bis zum Ausbruch der Erkrankung variiert stark (Tage bis Wochen) und ist vor allem vom Ort der Bissstelle abhängig. Je näher am Kopf die Bissstelle liegt, desto schneller erkrankt man. Gegen die Tollwuterkrankung kann man sich sehr gut durch eine Impfung schützen. Hat man diese, ist nach dem Biss eines tollwutverdächtigen Tieres nur mehr eine Auffrischungsimpfung (Booster-Impfung) notwendig. Bei Fehlen eines Impfschutzes bedarf man vieler Injektionen von Antiseren in der Nähe der Bissstelle, gegen die vereinzelt auch Allergien bestehen können, sowie der Injektion des Impfstoffes, der auch zur Vorbeugung verwendet wird. Auch hier ist die Sinnhaftigkeit einer solchen Vorbeugung natürlich auch ganz abhängig von Ihren Reisegewohnheiten. Ein Urlaub im 5 Sterne Ressort birgt aller Wahrscheinlichkeit nach nur eine geringe Gefahr, mit einem tollwuterkrankten Tier in Kontakt zu kommen. Nichtsdestotrotz ist nach einem Tierbiss jedenfalls ein Krankenhaus aufzusuchen, in dem man sich bez. der dort geltenden Empfehlungen informieren kann.
Dr. Luttersdorfer
|