Zahnimplantate - ein Übel an der Wurzel packen

Keine Kronen mehr, keine lockeren Zahnprothesen, dritte Zähne so fest wie die eigenen – die Aussichten klingen verlockend. Doch wie läuft solch eine Behandlung ab? Kann jeder Zahnimplantate bekommen? Welche Risiken bestehen und überhaupt – wie teuer sind Implantate?
Maria K. hat ein Problem: Karies hat ihren vorletzten Backenzahn im Unterkiefer so sehr zerstört, dass eine Krone nicht mehr in Frage kommt. Der Zahnarzt schlägt vor, eine Brücke einzusetzen. Doch dafür müssen die beiden noch gesunden Nachbarzähne abgeschliffen und überkront werden, denn sie sollen den Brückenpfeiler für den fehlenden Zahn bilden. Die Alternative: ein Zahnimplantat. Damit könnten die gesunden Zähne geschont werden, die Lücke wäre geschlossen. Zahnimplantate sind künstliche Zahnwurzeln, die in den Kieferknochen regelrecht eingepflanzt werden.

Wurzeln aus Titan tragen den Zahnersatz

Diese künstlichen Wurzeln lassen das Herz jedes Heimwerkers höher schlagen – sie sehen nämlich aus wie Schrauben, Zylinder oder Dübel. Gefertigt werden die Implantate aus Titan, einem besonders gut verträglichen, widerstandsfähigen Metall, das sich in der Medizin schon seit längerer Zeit etwa für künstliche Gelenke bewährt hat. Schon in der griechischen Mythologie war einer der Titanen, der Riese Atlas, für seine Stärke berühmt, immerhin trug er das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern. Und so tragen die Titanimplantate den Zahnersatz, meistens Kronen, aber auch Brücken, wenn mehr als zwei fehlende Zähne eine Lücke bilden. Sie können sogar Zahnprothesen sicher verankern. Die Implantate sitzen deshalb so fest, weil sie mit dem Kieferknochen quasi verwachsen.

Implantate verhindern Knochenschwund


Abgesehen von der Tatsache, dass diese dritten Zähne absolut fest sitzen, gibt es noch einen ganz entscheidenden Pluspunkt für Implantate: Sie verhindern den Knochenschwund (Atropie), denn ein nicht mehr belasteter Knochen bildet sich zurück. Wenn also ein oder mehrere Zähne fehlen und noch dazu bei schlecht sitzenden Prothesen die Knochen gar nicht mehr belastet werden, dann werden Wangen und Lippen irgendwann nicht mehr durch Kochen gestützt und man sieht eingefallen aus. Schließlich entlasten Implantate die noch vorhandenen Zähne, denn sie können, da sie ja fest sitzen, wie natürliche Zähne belastet werden.

Schmerzen und Komplikationen

Nachdem der Zahnarzt den Kieferknochen freigelegt und ein Loch hineingefräst hat, wird das Implantat eingesetzt. Die Knochensubstanz wächst zu und umschließt das Implantat. Diese Einheilzeit kann zwischen sechs Wochen und neun Monaten dauern, dann wird bei dieser häufigen sogenannten zweiphasigen Methode der Zahnersatz auf dem Implantat befestigt, meist verschraubt. Die Behandlung selbst hört sich schlimmer an als sie tatsächlich ist. Das Einfräsen des Loches und das Einsetzen des Implantates erfolgen ambulant, eine örtliche Betäubung reicht aus. Bei der zweiphasigen Methode wird das Zahnfleisch über dem Implantat wieder zugenäht und später erneut aufgeschnitten, um eine Art Pfosten, der das Zahnfleisch formt, aufzusetzen.

Bei der einphasigen Methode erfolgt dies alles in einem Arbeitsgang. Schmerzen verspürt der Patient nur in der Mundschleimhaut , doch nach einigen Tagen heilt sie schnell ab. Komplikationen wie starke Blutungen oder Schwellungen sind selten. Wird nach der Behandlung das Zahnfleisch gut gekühlt, gehen die Schwellungen meist sehr schnell zurück. Allerdings kann es zwischen Implantat und Zahnfleisch zu bakteriellen Infektionen kommen. Daher ist eine besonders sorgfältige Mundhygiene sehr wichtig. Dies gilt auch dann, wenn das Implantat eingeheilt ist und der Zahnersatz aufgesetzt wurde. Zahnbelag gefährdet die implantierten Zähne nämlich ebenso wie die eigenen Zähne. Ein halbjährlicher Besuch beim Zahnarzt muss also sein. Wenn alles gut geht, hält so ein Implantat mindestens zehn Jahre und länger.

Keine Implantate bei schweren Erkrankungen


Grundsätzlich kann jeder Patient Zahnimplantate bekommen, eine Altersgrenze gibt es nicht. Statistiken zufolge werden pro Jahr in Deutschland etwa 450 000 Implantate eingesetzt. Die Erfahrungen sind fast durchweg positiv. Implantate sind weniger geeignet für Patienten mit einer herabgesetzten Immunabwehr z.B. während einer Kortisontherapie, bei schweren Herzerkrankungen, mit einer fortgeschrittenen Osteoporose, erhöhter Blutungsneigung oder nicht medikamentös eingestellter Diabetes. Sie sollten sich gründlich beim Facharzt vor einer solchen Zahnbehandlung informieren.
Im Unterkiefer ist das Einsetzen eines Implantats meist unproblematisch, denn hier ist normalerweise genügend dichte Knochenmasse vorhanden, um ein Implantat zu stützen. Im Oberkiefer ist der Knochen weniger dicht. So kann es sogar notwendig werden, Knochen aus dem Unterkiefer oder dem Beckenbereich zu entnehmen und an die gewünschte Stelle im Kiefer einzubringen.

Wie man den richtigen Zahnarzt für den Einsatz eines Implantats findet

Ein Implantat als fester, angenehmer Zahnersatz soll es sein. Doch wie findet man für diese Behandlung einen geeigneten Zahnarzt? Schließlich geht es um einen Eingriff, der viel Know-how und Erfahrung voraussetzt. "Wer sich auf die Suche nach einem Fachmann macht, hat verschiedene Möglichkeiten, sich zu informieren", weiß Dr. Silke Liebrecht proDente-Expertin und Oberärztin im Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Köln.

Auf die Erfahrung kommt es an

Die beste Empfehlung ist ein zufriedener Patient. Wer sich ein Implantat einsetzen lassen will, kann sich zunächst einmal im Freundeskreis umhören – vielleicht haben einige Bekannte ja bereits gute Erfahrungen in Sachen Implantate mit einem bestimmten Zahnarzt gemacht. "Welcher Arzt sich auf Implantationen spezialisiert hat, zeigen auch entsprechende Angaben auf dem Praxisschild oder auch im Telefonbuch", erklärt Dr. Liebrecht.

Wer offiziell den "Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie" angibt, muss dafür bestimmte Kriterien erfüllen, die die verschiedenen medizinischen Fachgesellschaften aus dem Bereich der Zahn-Implantologie festgelegt haben. Die Zahnärzte müssen Fortbildungen absolviert und außerdem eine vorgegebene Zahl von Implantaten eingesetzt haben – mindestens 50 pro Jahr, mindestens 200 insgesamt.

So finden Sie diese Spezialisten:

  • Über die Webseiten der einzelnen Fachgesellschaften - etwa Deutsche Gesellschaft für Implantologie,
  • Deutsche Gesellschaft für zahnärztliche Implantologie,
  • Bundesverband der niedergelassenen implantologisch tätigen Zahnärzte sowie
  • Über das Deutsches Zentrum für orale Implantologie (BDZI).


Wer sich über seine Zahnärztekammer informieren möchte, findet den Kontakt zu seiner Kammer bei proDente. Implantiert der Zahnarzt selbst, oder führt er Aufklärungsgespräch und Vorarbeiten durch, arbeitet aber mit einem Implantologen zusammen, welcher das Implantat setzt?
Keine Scheu vor Fragen

  • Führt der Zahnarzt eine gewissenhafte und sorgfältige Planung durch? Dazu sollte neben der klinischen Untersuchung ein Röntgenbild und Planungsmodelle der Kiefer vorliegen, mit deren Hilfe der Zahnarzt dem Patienten auch das Vorgehen erläutern kann. Zur Diagnostik gehört weiter das Abklären anderer Erkrankungen – eventuell auch in Zusammenarbeit mit anderen Ärzten des Patienten.
  • Wie viele Implantate hat er bereits eingesetzt? Ein Anhaltspunkt für eine ausreichende Erfahrung können beispielsweise die oben genannten Mindestzahlen sein.
  • Arbeitet der Zahnarzt mit einem zahntechnischen Meisterlabor zusammen? Die Herstellung von implantatgetragenen Kronen, Brücken und Prothesen (Suprakonstruktionen) erfordert auch vom Zahntechniker besondere Kenntnisse und Fertigkeiten. Der Zahntechnikermeister verfügt hierbei über die höchste Qualifikation.
  • Bildet der Zahnarzt sich fort? Häufig hängen Zahnärzte Nachweise über ihre Fortbildungen in der Praxis aus. Darüber hinaus können Patienten gezielt nachfragen und die Reaktion des Arztes beurteilen.
  • Bietet die Praxis eine umfassende Prophylaxe und professionelle Zahnreinigung an? Auch nach dem Einsetzen von Implantaten sollte das Gebiss regelmäßig eine solche professionelle Zahnreinigung erhalten, um eine optimale Mundhygiene zu gewährleisten – am besten sollte die Implantatversorgung und die Nachsorge in der selben Praxis stattfinden.
  • Was genau kommt auf den Patienten zu? Der Zahnarzt sollte sich Zeit nehmen, alle Behandlungsschritte erklären und über Risiken aufklären.
  • Was kostet den Patienten das Implantat? Weil die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten in der Regel nicht und die privaten Krankenkassen u.U. nur einen Teil der Kosten übernehmen, sollte vor der Behandlung geklärt werden, welche Kosten entstehen und welchen Betrag der Patient tragen muss. Dazu sollte ein schriftlicher Heil- und Kostenplan erstellt werden, den der Patient seiner Krankenkasse zur Kostenregelung vorlegen kann.


Mit Zahnimplantaten erhalten viele Menschen ihr Lächeln zurück, können wieder fest zubeißen und gut kauen. "Wichtig dabei ist eine gründliche Vorbereitung," weiß Dr. Silke Liebrecht, Oberärztin im Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Köln. Im Interview mit proDente schildert sie ihre Erfahrungen mit dem Einsatz moderner Zahnimplantate.

Für welche Patienten ist die Zahnimplantation das geeignete Verfahren?

Grundsätzlich kann jeder fehlende Zahn durch ein Implantat ersetzt werden. Besonders empfiehlt sich diese künstliche Zahnwurzel, wenn die Nachbarzähne noch völlig gesund sind und man so deren Abschleifen vermeiden kann. Implantate sind auch sehr hilfreich bei großen Lücken, die nur schwer mit einer Brücke geschlossen werden können. Auch bei einem Gebiss mit lückig stehenden Frontzähnen sieht ein einzelner implantierter Zahn ästhetisch besser aus als eine Brücke aus fest verbundenen Zähnen. Und wer gar keine Zähne hat, dem können Implantate als eine feste Verankerung der Prothese oder einer umfangreichen Brücke dienen

In welchen Fällen raten Sie Patienten zu einem alternativen Zahnersatz?


Grundsätzlich sprechen Krankheiten wie Blutgerinnungs-, Stoffwechsel- und Knochenerkrankungen gegen ein Implantat sowie die Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr unterdrücken. Darüber hinaus achte ich darauf, dass die Mundhygiene stimmt. Wer darauf nicht viel Mühe verwenden will, dem rate ich ab. Ich bin auch vorsichtig, wenn die Patienten rauchen. Besonders während der Einheilung der künstlichen Zahnwurzel, aber auch später erhöht Rauchen erheblich die Gefahr des frühzeitigen Implantatverlustes.

Können Sie exemplarisch den Ablauf einer Behandlung schildern?


Zuerst befrage ich den Patienten über den Zahnverlust und seine Wünsche bezüglich des Ersatzes: Will er einen festsitzenden Zahnersatz oder etwas Herausnehmbares? Dabei sprechen wir auch über Vorerkrankungen und die Einnahme von Medikamenten. Dann untersuche ich den Patienten, mache eine Röntgen-Aufnahme und Abformungen der Kiefer. Auf den entsprechenden Gipsmodellen und mit Hilfe der Röntgenbilder kann ich jetzt den späteren Zahnersatz planen.

Bei Bedarf wird nun zunächst eine professionelle Zahnreinigung durchgeführt und erkrankte Zähne und Zahnfleisch behandelt. Sollte im Implantationsgebiet zu wenig Knochen vorhanden sein, muss der vor der Implantation noch aufgebaut werden muss. Erst nach diesen "Vorarbeiten" setze ich die künstliche Zahnwurzel ein. Ihre Position wird durch die Planungsschablone vorgegeben. Die Einheilung dauert dann zwischen drei und acht Monaten und wird regelmäßig kontrolliert. In dieser Zeit darf die Stelle natürlich nicht belastet werden. Abschließend kann ich dann den Implantatspfosten und die darauf angefertigte Krone einsetzen. Insgesamt dauert es also eine ganze Weile, bis der Patient endlich seine Zähne hat. Aber es lohnt sich!

Wie müssen implantierte Zähne gepflegt werden?


Sehr, sehr gründlich. Denn eine Entzündung führt immer zum Abbau des Knochens – und dann kann die künstliche Zahnwurzel nicht mehr halten und muss heraus genommen werden. Leider zieht Titan, das meist genutzte Material für Implantate, Zahnbelag besonders an. Deshalb ist eine sorgfältige Reinigung so wichtig. Dabei sollten die Patienten neben der Zahnbürste auch spezielle Reinigungsmittel wie z.B. Zahnzwischenraumbürsten verwenden.

Welche Lebensdauer haben Implantate?


Bei guter Pflege halten sie sehr lang. Als Faustregel sagt man, dass nach 10 bis 15 Jahren noch bis zu 90 Prozent der Implantate fest im Kiefer sitzen.

Welche Entwicklungen sind zukünftig in der Implantationsmedizin zu erwarten?


Immer häufiger werden Verfahren angewendet, bei denen die spätere Zahnkrone direkt bei der Implantation eingesetzt wird. Dann haben die Patienten gleich ein vollständiges Gebiss. Allerdings ist dadurch das Risiko höher, dass das Implantat nicht anwächst. Große Fortschritte werden auch beim Knochenaufbau gemacht. Verschiedene Materialien und Verfahren beschleunigen zum Beispiel das Wachstum. Hier wird es sicher noch einige Neuerungen geben, mit denen die Patienten in Zukunft noch besser versorgt werden können.

 

Quellle: www.gesundheit.de




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