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„Jeder Übergewichtige, jeder Zuckerkranke ist ohne Bewegungsprogramm eigentlich unterversorgt“, so Dr. Andreas Dallamassl, praktischer Arzt in Linz. „Es gibt keine einzelne Maßnahme, die an so vielen pathophysiologischen (krankhaft veränderten Körperfunktionen, red) Punkten ansetzt wie Bewegung.“ Bewegungsprogramme seien längst Teil der Rehabilitation, allerdings hätten sie noch zu wenig Bedeutung in der Gesundheitsvorsorge, meint der Sportmediziner.
Immer wieder wird die Wirkung von körperlicher Betätigung in den Medien als gesundheitsförderlich beschrieben. Trotzdem gibt es immer mehr Fettleibige in Österreich und Lebensstil bedingte Krankheiten nehmen zu. Denn: 60 Prozent der Österreicher bewegen sich laut einer Studie der Bundessportorganisation (BSO) wenig bis gar nicht.
Dallamassl: „Offenbar brauchen die Menschen ein attraktives persönliches Ziel, um den inneren Schweinehund zu überwinden.“ Für manche könne so ein Ziel das Abnehmen oder eine bessere Figur sein, für andere ein sportlicher Wettkampf. Wenn jemand bereits am eigenen Leib erfahren habe, wie regelmäßige Bewegung gut tue, sei viel gewonnen. Leider sei der Weg bis dahin aber weit und nur wenige seien bereit ihn zu beschreiten.
Das Gewicht eines Menschen sei „immer das Produkt von über lange Zeit eingehaltenen Gewohnheiten“, meint Prof. Dr. Paul Haber. „Die meisten Übergewichtigen essen eine Spur zu viel essen und bewegen sich viel zu wenig.“ Die strategische Hauptempfehlung für das Abnehmen laute daher: Die Gewohnheiten verändern und zwar lebenslang.
Dallamassel: „Alles, was hilft, die Leute bei der Stange zu halten ist gut.“ So bemüht sich der praktische Arzt, bei seinen Patienten einen Lernprozess in Gang zu bringen. Dazu zählen Pulsuhren, mit denen auch Kalorienaufzeichnungen geführt werden können, Computerprogramme oder „Tagebücher“, um ein Gefühl für die Energiebilanz zu bekommen. Wichtig sei das regelmäßige Gespräch mit dem Betreuer: „Alle zwei bis drei Wochen, mindestens ein Mal im Monat halte ich Kontakt mit den Patienten. Ein Arzt hat durch seine hohe Glaubwürdigkeit eine wichtige Rolle.“
„Viele Menschen, vor allem aus finanziell und sozial schwächeren Schichten, wollen für ein gesundes Leben belohnt werden. Zureden alleine nützt nichts, drohen schon gar nicht. Eine Belohnung müsste finanziell spürbar sein. Oder sich deutlich in einer spürbar besseren Lebensqualität auswirken“, so Dallamassl.
Gemeinsam mit dem Sportwissenschaftler MMag. Alexander Pfeiffer bietet der Wiener Sportarzt und Allgemeinmediziner Dr. Alexander Ditscheiner eine umfassende Bewegungsberatung und Betreuung an. Ditscheiner: „Ich versuche den Kunden zu erklären, dass es nicht darum gehen soll, in drei Monaten vier Kilo abzunehmen, sondern den Lebensstil dauerhaft zu ändern.“ Die Kunden des Teams sind hauptsächlich Frauen im mittleren Alter. Drohen die Kunden die Lust zu verlieren, werden sie angerufen und persönlich motiviert. Erste positive Wirkungen sind nach vier Wochen feststellbar.
Auch öffentliche Stellen bemühen sich zunehmend um bewegungsfaule Österreicher. Die Sportverbände ASKÖ, ASVÖ und Sport Union bieten unter der Dachmarke Fit für Österreich, einer Initiative des Sportsekretariats, besonders gesundheitsfördernde Bewegungsangebote an. Rückengymnastik, Bauch-Bein-Po, Kletterkurs oder Nordic-Walking werden angeboten.
Die Wiener Gebietskrankenkasse startet im Herbst 2007 das Pilotprojekt Bewegt gesund. Patienten, bei denen die Vorsorgeuntersuchung Übergewicht und erhöhte Blutfett-Werte ergeben hat, können vom Hausarzt einen Bewegungskurs verordnet bekommen.
Quelle: www.gesundesleben.at |