Manche mögen’s heiß-kalt

Bewegungsmangel, einseitige Ernährung, und Hektik sind Krankmacher. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts wetterte Pfarrer Kneipp dagegen. Seine vergleichsweise einfachen Vorsorge-Methoden erleben heute wieder eine Renaissance.
Beim Name Kneipp denkt jeder an etwas anderes. Ob Wassertreten oder Kräutertee, Schonkost oder Wandern - viele gesunde Dinge werden dem Pfarrer aus Bayern zugeschrieben. Dabei empfahl er zunächst vor allem Wasseranwendungen. Und während es früher vor allem die klassische Kneippkur war, spielen Kneipps Erkenntnisse heute wieder eine stärkere Rolle in Wellness-Anwendungen und Vorsorgeprogrammen.

"Kneipp erlebt eine kleine Renaissance", sagt Christoph Menne vom Deutschen Medical Wellness Verband. Ein Grund sei vermutlich die Suche vieler Menschen nach Ursprüngen. Auch sind die Anwendungen recht einfach.

Kneipp erkrankte schwer an der Lunge. Durch Tauchbäder in der eiskalten Donau heilte er sich selbst - und leitete daraus eine Heilmethode ab, die auf Wärme- und Kältereize setzt, erläutert Prof. Jürgen Kleinschmidt von der Universität München.

Diese "Thermotherapie" durch kurze Reize führt laut Kleinschmidt dazu, dass die Blutgefäße sich zusammenziehen und wieder erweitern - das stärkt den Kreislauf. Eine andere Anwendung sind Wechselgüsse. Die Kneipp-Hydrotherapie ist in ihren Wirkungen inzwischen gut dokumentiert und zählt zum Fachgebiet der physikalischen Medizin.

Sie umfasst Waschungen, Güsse, Voll- und Teilbäder, Wickel, Auflagen und Packungen, Taulaufen, Wassertreten und Schneegehen. Die Kneippanwendungen werden kalt, im Wechsel (warm/kalt) oder warm verabreicht.

Bei kalten Wasseranwendungen gilt das Prinzip: warm - kalt - warm. Konkret dürfen kalte Wasseranwendungen nur bei warmem Körper verabreicht werden, nach der kurzen kalten Anwendung erfolgt Wiedererwärmung durch Bewegung oder Bettruhe. Kneipp versuchte mit kleinsten Reizen die größtmöglichen Effekte zu erzielen. Im Vordergrund steht meist der thermische Reiz. Dieser wird über eigene Rezeptoren wahrgenommen und löst über verschiedene Ebenen des vegetativen Nervensystems Reflexvorgänge aus.

Der wichtigste Effekt erfolgt im Bereich des Gefäßsystems im Sinne eines Gefäßtrainings. An die 120 verschiedene Varianten unterscheiden Kneipp-Jünger - vom Schenkelguss bis zum Gesichtsguss. Die Durchblutung wird angeregt, verkrampfte Muskeln sollen sich entspannen.

Auch beim "Wassertreten" in kniehoch gefüllten Kaltwasser-Becken ziehen sich die Adern der Beine zusammen. "Das ist gut für Menschen mit Venenproblemen, weil die Venenklappen in Gang kommen", sagt Kleinschmidt.

Fünf Elemente unterscheidet beispielsweise der deutsche Kneipp-Bund, der noch immer in Kneipps Wirkungsort Bad Wörishofen (Bayern) ansässig ist. Neben der Wassertherapie sind dies maßvolle Bewegung, eine gesunde Ernährung, Kräutermedizin und die sogenannte Ordnungstherapie, die auf seelische Ausgeglichenheit setzt.

Heute werden vielfach auch neue Trends integriert, etwa Yoga oder Nordic-Walking. Intensiviert wurde auch die Arbeit mit Kindern. 2005 wurde der erste österreichische Kneipp-Kindergarten in Elixhausen/Salzburg eröffnet.

Wie in Deutschland gibt es auch in Österreich gibt es einen Kneipp-Bund. Der überparteiliche, gemeinnützige Verein zählt inzwischen rund 50.000 Mitglieder zählt und organisiert verschiedenste gesundheitsfördernde Veranstaltungen und Kurse.

 

Quelle: www.gesundesleben.at




» zurück
 
Schriftgröße:
A A A